Warnung: Folgende Zusamenfassung drfte noch einige Fehler enthalten. Es ist denn auch empfehlenswert den Text noch einmal sorgf„ltig zu berprfen. Ton Velzeboer, Moderator von Primeur-Lijn und Deutschlehrer. ____________________________________________________________ Schachnovelle Stefan Zweig Die Erz„hlung spielt auf einem Passagierdampfer, der unterwegs ist von New York nach Buenos Aires. An Bord befindet sich u. a. ein Weltschach- meister, Mirko Czentovic, der Sohn eines armen Donauschiffers. Als elternloser Knabe wohnt er bei einem Pfarrer, der dem teilnahmslosen Jungen so gut wie nichts beizubringen weiá. Wenn der Pfarrer mit dem Gendarmeriewachtmeister Schach spielt, starrt er anscheinend gleichgltig auf das Brett. Eines Abends, als der Pfarrer zu einer Kranken gerufen wird, spielt er mit dem Wachtmeister die angefangene Partie zu Ende. Nach 14 Zgen ist dieser geschlagen;die zweite Partie f„llt nicht anders aus. Auch den Pfarrer schl„gt er nach seiner Rckkehr, und in den darauffolgenden Tagen gewinnt er jede Partie von ihm. Im Caf‚ einer Nachbarstadt ist keiner dem 15j„hrigen Knaben gewaschen. Nachdem er in Wien in der Schachkunst ausgebildet worden ist, f„ngt seine erstaunliche Karriere an wobei er sich nur die Kunst des Blindenspielens nicht zu eigen machen kann:er muá immer ein Schachbrett vor sich haben. Mit 18 Jahren ist er aber ungarischer Meister, mit 20 schon Weltmeister, eine auffallende Erscheinung, wenn man bedenkt, daá ihm jede weitere geistige Bildung durchaus abgeht, so daá er nivht imstande ist, drei S„tze richtig zu schreiben. In Schachkreisen wirkt er nicht sympatisch, da es ihm nur darum zu tun ist, aus seinem Ruhm soviel wie m”glich Geld herauszuholen. Daá es auáer Schach und Geld noch andere Werte gibt, davon hat er nicht die leisteste Ahnung. Die Neugierde des Erz„hlers, der sich fr psycholochische merkwrdige F„lle interessiert, wird durch diese Mitteilungen eines Mitreisenden ganz besonderes erregt, aber nicht befriedigt, weil Czentovic berall dort, wo er einen gebildeten Menschen sprt, "in sein Schneckenhaus zu kriechen" pflegt. Um ihn aus seiner H”hle herauszulocken, jetzt sich der Erz„hler mit seiner Frau vor ein Schachbrett. Diese List zieht zwar andere heran, ohne daá sich aber Czentovic fr sie interessiert. Einer von ihnen, Mc. Connor, ein stein- reicher Ingenieur, weiá den Schachmeister aber dazu zu berreden, den folgenden Tag gegen ein Honorar von 250 Dollar eine Simultanpartie zu spielen. Sie endet mit einem glanzvollen Siege des Meisters. Mc. Connor fordet Revanche. Als er aber bei dieser Partie einen Zug wagen will, der ihm anscheinend zum Sieg verhelfen k”nnte, flstert pl”tzlich eine Stimme:"Um Gottes Willen! Nicht!". Durch das Eingreifen des Unbekannten kommt die Partie auf Remis. Bevor Mc. Connor den Retter aber dazu bewegen kann, allein eine dritte Partie gegen Czentovic zu spielen, hat der Fremde schon das Zimer verlassen. Wer is dieser Unbekannte ? Darber erz„hlt Zweig in dem zweiten Teil der Novelle. Hier werden wir bekannt mit Dr. B. , einem ™sterreicher, der sich unterganz besondern Umst„nde viel mit Schach besch„ftigt hat. 1938 wird er von der Gestapo fest- genommen, weil er in seiner Rechtsanwaltskanzlei heimlich Verm”gen der kaiserlichen Familie und der Kirche verwaltet. Man hofft belastendes Material gegen die Monarchisten und Kl”ster von ihm zu erpressen durch die denkbar raffinierteste Isolierung in einem Hotel, dem Hauptquartier des Gestapo. Dort lebt er in einem Nichts, ohne Buch, Zeitung, Papier, Bleistift, Messer, Uhr und Zigaretten. Nach vier Monaten - seine Nerven haben schon stark gelitten - wird er zum sovielten Mal zur Vernehmung gefhrt. W„hrend er in einem Vorzimmer wartet, endeckt er ein Buch in der Tasche eines dort h„ngenden Mantels. Es gelingt ihm, in unauff„lliger Weise das Buch, eine Sammlung von 150 Meisterschachpartien, zu stehlen und in sein Zimmer mitzuneh- men. Nach einigen Wochen kann er jede Partie blind nachspielen, wodurch er eine Waffe gegen das Nichts hat und sich auch bei den Verh”ren keine Bl”áe mehr gibt. Nach drei Monaten steht er jedoch wieder vor einem Nichts: da f„ngt er an, neue Partien zu erfinden und in einem imagin„ren Raum gegen sich selbst zu spielen, was im Grunde eine Bewuátseinsspaltung voraussetz, eine Spaltung in ein Ich Weiá und ein Ich Schwarz. Dieser Zustand wird zu einer Besessenheit, deren er sich nicht l„nger erwehren kann, zu einer "Schachvergiftigung", die in ein Gehirn fieber mndet, aus dem er in einem Krankenhaus erwacht. Der Arzt weiá seine Entlassung zu erwirken unter der Beledigung, daá er die Heimat innerhalb 14 Tagen verlassen wird. Dem Erz„hler erkl„rt er sich jetz bereit, eine einzige Partie zu spielen gleichsam als "Schluástrich unter eine alte Rechnung". Den folgenden Tag sitzen die beiden Groámeister einander gegenber: Czentovic, unbe- weglich wie ein Block, und Dr. B. , zun„chst durchaus unbefangen, dann immer unruhiger. -Gespannt folgen wir dem Spiel, denn Zweig versteht es meisterschaft, seine Leser zu fesseln- da schiebt Czentovic die Figuren vom Brett:er hat vor dem fremden Gegner kapituliert. - Es folgt eine Revanche:Dr. B. spielt von neuem, unnatrlich erregt, trotz der geflsterten Warnung des Erz„hlers, es bei dieser einen Partie bewenden lassen. Eine Spannng, ein Haá steht zwischen den Spielern, Czentovic spielt boshaft langsam, fr seinen Partner vernichtend langsam. Nach dem neunzehnten Zug bricht die Krise aus: in seinem Geist eine ganz andere Partie ausarbeitend, st”át er den L„ufer vor und schreit:"Schach!", ohne daá von einem Schach die Rede ist. Da erwacht er, ver- beugt sich nach einem Worte der Entschuldigung und geht. Auch Czentovic geht, groá- mtig zugebend:"Fr einen Dilettanten ist dieser Herr eigentlich ungew”hnlich begabt. "