Die Leiden des jungen Werther, ook bekend onder de verkorte naam 'Werther',
is Goethes beroemdste roman. Eind van de 18e eeuw is deze roman in briefvorm in
vrijwel heel Europa bekend. De eerste versie uit 1774 - een tweede versie is van
1787 - was in 1790 al dertig keer herdrukt. Het nieuwe was de briefvorm en de
morele en emotionele lading die het boek daarmee kreeg.
Bovendien speelde de adel in de literatuur vanaf nu een ondergeschikte rol.
De held was hier een gewone jongen uit de burgerij. Het boek ging snel van hand
tot hand en werd door elke burger die het maar even kon bemachtigen, desnoods in
de vorm van een ordinaire roofdruk, verslonden. Het eindigt met de zelfmoord van
Werther. Een verbod en censuur bleven dan ook niet uit, maar dit heeft aan de
populariteit van het boek nooit iets kunnen afdoen. Met de Werther doet de
moderne roman zijn intrede in Duitsland.
Aan deze roman lagen Goethes eigen
ervaringen ten grondslag. Goethe was op 23-jarige leeftijd namelijk verliefd
geworden op Charlotte Buff. Maar Charlotte wilde zijn liefde niet beantwoorden,
omdat zij reeds verloofd was met een ander. Enige tijd later hoorde Goethe over
een zelfmoord van een zoon van een goede vriend. Kort daarna was hij opnieuw de
derde buitengeslotene in een liefdesrelatie. Al deze ervaringen verwerkte hij in
1774, tijdens een kort verblijf in de ouderlijke woning in Frankfurt am Main,
tot zijn beroemde briefroman Die leiden des jungen Werther.
Het boek is een typisch voorbeeld van 'ervarings- en
bekentenisliteratuur'. Dit genre was toen zeer populair in Duitsland
geworden. Het was een typisch kenmerk van Sturm und Drang. De roman bevat de
brieven van Werther aan zijn vriend Wilhelm. Daarin beschrijft hij zijn
liefde voor het meisje Lotte. Maar Lotte is al verloofd met een zekere
Albert en Werther begrijpt, dat hij Lotte nooit voor zich zal kunnen winnen.
Als Lotte en Albert uiteindelijk getrouwd zijn, wordt Werther steeds
somberder. Zijn verliefdheid verandert in een ziekte, in een Krankheit zum
Tode. Tot slot schrijft hij een afscheidsbrief aan Lotte en maakt hij een
eind aan zijn leven. In blauw rokkostuum, in geel vest en gele broek
gekleed, met een toneelstuk van Lessing op tafel, wordt hij dood gevonden.
Werthers Freitod (zelfdoding) vond veel navolging bij de toenmalige
jeugd, die zich zelfs in geheel dezelfde kleding stak, alvorens de laatste
deur binnen te gaan. Goethe voelde zich bij de tweede oplage daarom
genoodzaakt om de volgende waarschuwing erin af te drukken:
'Sei ein Mann, und folge mir nicht nach!'
('Wees een man, en doe mij niet na.')
Reacties op de Werther
In de negentiende en twintigste eeuw speelde de Wertherroman en de
Werther-Fieber (Wertherkoorts) in literatuur en filosofie regelmatig een
grote rol. Denk bijvoorbeeld aan het werk van de Deense filosoof
Sören Kierkegaard,
wiens Krankheit zum Tode voor een latere generatie existentialisten
toonaangevend werd.
De schrijver
Thomas Mann (1875 – 1955)
schreef een roman over een latere ontmoeting van Charlotte Buff met Goethe in
Weimar (Lotte in Weimar, 1939 ). Charlotte had de oudere Goethe in
werkelijkheid ook opgezocht in Weimar. In het boek van Thomas Mann had de nog
jonge Lotte een witte jurk met strikken aan. Bij hun laatste ontmoeting gaf zij
er Goethe één als aandenken mee. Voor haar latere bezoek aan Weimar had de
oudere Charlotte dezelfde jurk aangetrokken, met ontbrekende strik, maar Goethe
heeft gedaan alsof hem niets was opgevallen.
Meer
over Thomas Mann
In 1973 nog uitte de DDR-schrijver
Ulrich Plenzdorf voorzichtige (oogluikend toegestane) kritiek op het
burgerlijke karakter van de toenmalige communistische DDR-samenleving met zijn
populaire Die neuen Leiden des jungen W. Dit stuk wordt nog steeds
regelmatig opgevoerd en is ook verfilmd.
In Nederland werd de briefroman aanvankelijk met argwaan bekeken. Wie zich zo
ongegeneerd mee liet slepen door zijn emoties, werkte alleen maar moreel verval
in de hand, zo redeneerde men. Echte Sturm und Drang was aan Nederlanders in de
18e eeuw niet erg besteed. Veel later zou dit enigszins goed gemaakt worden door
Gerard Reve, bijvoorbeeld met zijn Op weg naar einde.
Fragment: Brief van 16 juni 1771
Hieronder de brief van 16 juni 1771 waarin je kunt lezen
hoe Werther Lotte voor het eerst ontmoet.
Warum ich dir nicht
schreibe? – Fragst du das und bist doch auch der Gelehrten einer. Du
solltest raten, daß ich mich wohl befinde, und zwar – kurz und gut, ich habe
eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz näher angeht. Ich habe – ich weiß
nicht.
Dir in der Ordnung zu
erzählen, wie's zugegangen ist, daß ich eins der liebenswürdigsten Geschöpfe
habe kennen lernen, wird schwer halten. Ich bin vergnügt und glücklich, und
also kein guter Historienschreiber.
Einen Engel! – Pfui! Das
sagt jeder von der Seinigen, nicht wahr? Und doch bin ich nicht imstande,
dir zu sagen, wie sie vollkommen ist, warum sie vollkommen ist; genug, sie
hat allen meinen Sinn gefangengenommen.
So viel Einfalt bei so
viel Verstand, so viel Güte bei so viel Festigkeit, und die Ruhe der Seele
bei dem wahren Leben und der Tätigkeit.
– Das ist alles garstiges
Gewäsch, was ich da von ihr sage, leidige Abstraktionen, die nicht einen Zug
ihres Selbst ausdrücken. Ein andermal – nein, nicht ein andermal, jetzt
gleich will ich dir's erzählen. Tu' ich's jetzt nicht, so geschäh' es
niemals. Denn, unter uns, seit ich angefangen habe zu schreiben, war ich
schon dreimal im Begriffe, die Feder niederzulegen, mein Pferd satteln zu
lassen und hinauszureiten. Und doch schwur ich mir heute früh, nicht
hinauszureiten, und gehe doch alle Augenblick' ans Fenster, zu sehen, wie
hoch die Sonne noch steht.
– Ich hab's nicht
überwinden können, ich mußte zu ihr hinaus. Da bin ich wieder, Wilhelm, will
mein Butterbrot zu Nacht essen und dir schreiben. Welch eine Wonne das für
meine Seele ist, sie in dem Kreise der lieben, muntern Kinder, ihrer acht
Geschwister, zu sehen!
– Wenn ich so fortfahre,
wirst du am Ende so klug sein wie am Anfange. Höre denn, ich will mich
zwingen, ins Detail zu gehen.
Ich schrieb dir neulich,
wie ich den Amtmann S. habe kennen lernen, und wie er mich gebeten habe, ihn
bald in seiner Einsiedelei oder vielmehr seinem kleinen Königreiche zu
besuchen. Ich vernachlässigte das, und wäre vielleicht nie hingekommen,
hätte mir der Zufall nicht den Schatz entdeckt, der in der stillen Gegend
verborgen liegt.
Unsere jungen Leute
hatten einen Ball auf dem Lande angestellt, zu dem ich mich denn auch willig
finden ließ. Ich bot einem hiesigen guten, schönen, übrigens unbedeutenden
Mädchen die Hand, und es wurde ausgemacht, daß ich eine Kutsche nehmen, mit
meiner Tänzerin und ihrer Base nach dem Orte der Lustbarkeit hinausfahren
und auf dem Wege Charlotten S. mitnehmen sollte. – »Sie werden ein schönes
Frauenzimmer kennenlernen«, sagte meine Gesellschafterin, da wir durch den
weiten, ausgehauenen Wald nach dem Jagdhause fuhren. – »Nehmen Sie sich in
acht«, versetzte die Base, »daß Sie sich nicht verlieben!« – »Wieso?« sagte
ich. – »Sie ist schon vergeben«, antwortete jene, »an einen sehr braven
Mann, der weggereist ist, seine Sachen in Ordnung zu bringen, weil sein
Vater gestorben ist, und sich um eine ansehnliche Versorgung zu bewerben«. –
Die Nachricht war mir ziemlich gleichgültig.
Die Sonne war noch eine
Viertelstunde vom Gebirge, als wir vor dem Hoftore anfuhren. Es war sehr
schwül, und die Frauenzimmer äußerten ihre Besorgnis wegen eines Gewitters,
das sich in weißgrauen, dumpfichten Wölkchen rings am Horizonte
zusammenzuziehen schien. Ich täuschte ihre Furcht mit anmaßlicher
Wetterkunde, ob mir gleich selbst zu ahnen anfing, unsere Lustbarkeit werde
einen Stoß leiden.
Ich war ausgestiegen, und
eine Magd, die ans Tor kam, bat uns, einen Augenblick zu verziehen, Mamsell
Lottchen würde gleich kommen. Ich ging durch den Hof nach dem wohlgebauten
Hause, und da ich die vorliegenden Treppen hinaufgestiegen war und in die
Tür trat, fiel mir das reizendste Schauspiel in die Augen, das ich je
gesehen habe. in dem Vorsaale wimmelten sechs Kinder von eilf zu zwei Jahren
um ein Mädchen von schöner Gestalt, mittlerer Größe, die ein simples weißes
Kleid, mit blaßroten Schleifen an Arm und Brust, anhatte. Sie hielt ein
schwarzes Brot und schnitt ihren Kleinen rings herum jedem sein Stück nach
Proportion ihres Alters und Appetits ab, gab's jedem mit solcher
Freundlichkeit, und jedes rief so ungekünstelt sein »danke!«, indem es mit
den kleinen Händchen lange in die Höhe gereicht hatte, ehe es noch
abgeschnitten war, und nun mit seinem Abendbrote vergnügt entweder
wegsprang, oder nach seinem stillern Charakter gelassen davonging nach dem
Hoftore zu, um die Fremden und die Kutsche zu sehen, darin ihre Lotte
wegfahren sollte. – »Ich bitte um Vergebung«, sagte sie, »daß ich Sie
hereinbemühe und die Frauenzimmer warten lasse. Über dem Anziehen und
allerlei Bestellungen fürs Haus in meiner Abwesenheit habe ich vergessen,
meinen Kindern ihr Vesperbrot zu geben, und sie wollen von niemanden Brot
geschnitten haben als von mir«.
Ich machte ihr ein unbedeutendes Kompliment, meine ganze Seele ruhte auf der
Gestalt, dem Tone, dem Betragen, und ich hatte eben Zeit, mich von der
Überraschung zu erholen, als sie in die Stube lief, ihre Handschuhe und den
Fächer zu holen. Die Kleinen sahen mich in einiger Entfernung so von der
Seite an, und ich ging auf das jüngste los, das ein Kind von der
glücklichsten Gesichtsbildung war. Es zog sich zurück, als eben Lotte zur
Türe herauskam und sagte: »Louis, gib dem Herrn Vetter eine Hand«. – das tat
der Knabe sehr freimütig, und ich konnte mich nicht enthalten, ihn,
ungeachtet seines kleinen Rotznäschens, herzlich zu küssen.
»Vetter?« sagte ich,
indem ich ihr die Hand reichte, »glauben Sie, daß ich des Glücks wert sei,
mit Ihnen verwandt zu sein?« – »O«, sagte sie mit einem leichtfertigen
Lächeln, »unsere Vetterschaft ist sehr weitläufig, und es wäre mir leid,
wenn Sie der schlimmste drunter sein sollten.« – Im Gehen gab sie Sophien,
der ältesten Schwester nach ihr, einem Mädchen von ungefähr eilf Jahren, den
Auftrag, wohl auf die Kinder acht zu haben und den Papa zu grüßen, wenn er
vom Spazierritte nach Hause käme. Den Kleinen sagte sie, sie sollten ihrer
Schwester Sophie folgen, als wenn sie's selber wäre, das denn auch einige
ausdrücklich versprachen. Eine kleine, naseweise Blondine aber, von ungefähr
sechs Jahren, sagte: »du bist's doch nicht, Lottchen, wir haben dich doch
lieber«. – die zwei ältesten Knaben waren hinten auf die Kutsche geklettert,
und auf mein Vorbitten erlaubte sie ihnen, bis vor den Wald mitzufahren,
wenn sie versprächen, sich nicht zu necken und sich recht festzuhalten.
Wir hatten uns kaum
zurecht gesetzt, die Frauenzimmer sich bewillkommt, wechselsweise über den
Anzug, vorzüglich über die Hüte ihre Anmerkungen gemacht und die
Gesellschaft, die man erwartete, gehörig durchgezogen, als Lotte den
Kutscher halten und ihre Brüder herabsteigen ließ, die noch einmal ihre Hand
zu küssen begehrten, das denn der älteste mit aller Zärtlichkeit, die dem
Alter von fünfzehn Jahren eigen sein kann, der andere mit viel Heftigkeit
und Leichtsinn tat. Sie ließ die Kleinen noch einmal grüßen, und wir fuhren
weiter.
Die Base fragte, ob sie
mit dem Buche fertig wäre, das sie ihr neulich geschickt hätte. – »nein«,
sagte Lotte,« es gefällt mir nicht, Sie können's wiederhaben. Das vorige war
auch nicht besser«. – Ich erstaunte, als ich fragte, was es für Bücher
wären, und sie mir antwortete: [–] ich fand so viel Charakter in allem, was
sie sagte, ich sah mit jedem Wort neue Reize, neue Strahlen des Geistes aus
ihren Gesichtszügen hervorbrechen, die sich nach und nach vergnügt zu
entfalten schienen, weil sie an mir fühlte, daß ich sie verstand.
»Wie ich jünger war«,
sagte sie, »liebte ich nichts so sehr als Romane. Weiß Gott, wie wohl mir's
war, wenn ich mich Sonntags in so ein Eckchen setzen und mit ganzem Herzen
an dem Glück und Unstern einer Miß Jonny teilnehmen konnte. Ich leugne auch
nicht, daß die Art noch einige Reize für mich hat. Doch da ich so selten an
ein Buch komme, so muß es auch recht nach meinem Geschmack sein. Und der
Autor ist mir der liebste, in dem ich meine Welt wiederfinde, bei dem es
zugeht wie um mich, und dessen Geschichte mir doch so interessant und
herzlich wird als mein eigen häuslich Leben, das freilich kein Paradies,
aber doch im ganzen eine Quelle umsäglicher Glückseligkeit ist«.
Ich bemühte mich, meine
Bewegungen über diese Worte zu verbergen. Das ging freilich nicht weit: denn
da ich sie mit solcher Wahrheit im Vorbeigehen vom Landpriester von
Wakefield, vom [–] reden hörte, kam ich ganz außer mich, sagte ihr alles,
was ich mußte, und bemerkte erst nach einiger Zeit, da Lotte das Gespräch an
die anderen wendete, daß diese die Zeit über mit offenen Augen, als säßen
sie nicht da, dagesessen hatten. Die Base sah mich mehr als einmal mit einem
spöttischen Näschen an, daran mir aber nichts gelegen war.
Das Gespräch fiel aufs
Vergnügen am Tanze. – »wenn diese Leidenschaft ein Fehler ist,« sagte Lotte,
»so gestehe ich Ihnen gern, ich weiß mir nichts übers Tanzen. Und wenn ich
was im Kopfe habe und mir auf meinem verstimmten Klavier einen Contretanz
vortrommle, so ist alles wieder gut«.
Wie ich mich unter dem
Gespäche in den schwarzen Augen weidete – wie die lebendigen Lippen und die
frischen, muntern Wangen meine ganze Seele anzogen – wie ich, in den
herrlichen Sinn ihrer Rede ganz versunken, oft gar die Worte nicht hörte,
mit denen sie sich ausdrückte – davon hast du eine Vorstellung, weil du mich
kennst. Kurz, ich stieg aus dem Wagen wie ein Träumender, als wir vor dem
Lusthause stille hielten, und war so in Träumen rings in der dämmernden Welt
verloren, daß ich auf die Musik kaum achtete, die uns von dem erleuchteten
Saal herunter entgegenschallte.
Die zwei Herren Audran
und ein gewisser N. N. – wer behält alle die Namen –, die der Base und
Lottens Tänzer waren, empfingen uns am Schlage, bemächtigten sich ihrer
Frauenzimmer, und ich führte das meinige hinauf.
Wir schlangen uns in Menuetts um einander herum; ich forderte ein
Frauenzimmer nach dem andern auf, und just die unleidlichsten konnten nicht
dazu kommen, einem die Hand zu reichen und ein Ende zu machen. Lotte und ihr
Tänzer fingen einen Englischen an, und wie wohl mir's war, als sie auch in
der Reihe die Figur mit uns anfing, magst du fühlen. Tanzen muß man sie
sehen! Siehst du, sie ist so mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dabei,
ihr ganzer Körper eine Harmonie, so sorglos, so unbefangen, als wenn das
eigentlich alles wäre, als wenn sie sonst nichts dächte, nichts empfände;
und in dem Augenblicke gewiß schwindet alles andere vor ihr.
Ich bat sie um den
zweiten Contretanz; sie sagte mit den dritten zu, und mit der
liebenswürdigsten Freimütigkeit von der Welt versicherte sie mir, daß sie
herzlich gern deutsch tanze. – »Es ist hier so Mode, »fuhr sie fort, »daß
jedes Paar, das zusammen gehört, beim Deutschen zusammenbleibt, und mein
Chapeau walzt schlecht und dankt mir's, wenn ich ihm die Arbeit erlasse. Ihr
Frauenzimmer kann's auch nicht und mag nicht, und ich habe im Englischen
gesehen, daß Sie gut walzen; wenn Sie nun mein sein wollen fürs Deutsche, so
gehen Sie und bitten sich's von meinem Herrn aus, und ich will zu Ihrer Dame
gehen«. – ich gab ihr die Hand darauf, und wir machten aus, daß ihr Tänzer
inzwischen meine Tänzerin unterhalten sollte.
Nun ging's an, und wir
ergetzten uns eine Weile an manigfaltigen Schlingungen der Arme. Mit welchem
Reize, mit welcher Flüchtigkeit bewegte sie sich! Und da wir nun gar ans
Walzen kamen und wie die Sphären um einander herumrollten, ging's freilich
anfangs, weil's die wenigsten können, ein bißchen bunt durcheinander. Wir
waren klug und ließen sie austoben, und als die Ungeschicktesten den Plan
geräumt hatten, fielen wir ein und hielten mit noch einem Paare, mit Audran
und seiner Tänzerin, wacker aus. Nie ist mir's so leicht vom Flecke
gegangen. Ich war kein Mensch mehr. Das liebenswürdigste Geschöpf in den
Armen zu haben und mit ihr herumzufliegen wie Wetter, daß alles rings umher
verging, und – Wilhelm, um ehrlich zu sein, tat ich aber doch den Schwur,
daß ein Mädchen, das ich liebte, auf das ich Ansprüche hätte, mir nie mit
einem andern walzen sollte als mit mir, und wenn ich drüber zugrunde gehen
müßte. Du verstehst mich!
Wir machten einige Touren
gehend im Saale, um zu verschnaufen. Dann setzte sie sich, und die Orangen,
die ich beiseite gebracht hatte, die nun die einzigen noch übrigen waren,
taten vortreffliche Wirkung, nur daß mir mit jedem Schnittchen, das sie
einer unbescheidenen Nachbarin ehrenhalben zuteilte, ein Stich durchs Herz
ging.
Beim dritten englischen
Tanz waren wir das zweite Paar. Wie wir die Reihe durchtanzten und ich, weiß
Gott mit wieviel Wonne, an ihrem Arm und Auge hing, das voll vom wahrsten
Ausdruck des offensten, reinsten Vergnügens war, kommen wir an eine Frau,
die mit wegen ihrer liebenswürdigen Miene auf einem nicht mehr ganz jungen
Gesichte merkwürdig gewesen war. Sie sieht Lotten lächelnd an, hebt einen
drohenden Finger auf und nennt den Namen Albert zweimal im Vorbeifliegen mit
viel Bedeutung.
»Wer ist Albert?« sagte
ich zu Lotten, »wenn's nicht Vermessenheit ist zu fragen«. – Sie war im
Begriff zu antworten, als wir uns scheiden mußten, um die große Achte zu
machen, und mich dünkte einiges Nachdenken auf ihrer Stirn zu sehen, als wir
so vor einander vorbeikreuzten. – »Was soll ich's Ihnen leugnen,« sagte sie,
indem sie mir die Hand zur Promenade bot. »Albert ist ein braver Mensch, dem
ich so gut als verlobt bin«. – nun war mir das nichts Neues (denn die
Mädchen hatten mir's auf dem Wege gesagt) und war mir doch so ganz neu, weil
ich es noch nicht im Verhältnis auf sie, die mir in so wenig Augenblicken so
wert geworden war, gedacht hatte. Genug, ich verwirrte mich, vergaß mich und
kam zwischen das unrechte Paar hinein, daß alles drunter und drüber ging und
Lottens ganze Gegenwart und Zerren und Ziehen nötig war, um es schnell
wieder in Ordnung zu bringen.
Illustratie bij deze scene uit de brief van 16 juni:
Sie hielt ein schwarzes Brot und
schnitt ihren Kleinen rings herum jedem sein Stück nach Proportion ihres
Alters und Appetits ab, gab's jedem mit solcher Freundlichkeit, und jedes
rief so ungekünstelt sein »danke!«, indem es mit den kleinen Händchen
lange in die Höhe gereicht hatte
Fragment: Nach Eilfe
Goethe op de leeftijd van 30 jaar.
Hieronder de brief Nach Eilfe ("na elven"), waarin
beschreven wordt hoe Werther zijn einde voorbereidt en hoe hij dood
aangetroffen wordt.
Nach Eilfe
Lees en beluister hier het fragment.
Om wille van de leesbaarheid hebben we de tekst in stukjes opgedeeld. In het
origineel is het één geheel
Alles ist so still um mich her, und so ruhig
meine Seele. Ich danke dir, Gott, der du diesen letzten Augenblicken diese
Wärme, diese Kraft schenkest. Ich trete an das Fenster, meine Beste, und sehe,
und sehe noch durch die stürmenden, vorüberfliehenden Wolken einzelne Sterne des
ewigen Himmels! Nein, ihr werdet nicht fallen! Der Ewige trägt euch an seinem
Herzen, und mich.
Ich sehe die Deichselsterne des Wagens, des
liebsten unter allen Gestirnen. Wenn ich nachts von dir ging, wie ich aus deinem
Tore trat, stand er gegen mir über. Mit welcher Trunkenheit habe ich ihn oft
angesehen, oft mit aufgehabenen Händen ihn zum Zeichen, zum heiligen Merksteine
meiner gegenwärtigen Seligkeit gemacht!
Und noch - o Lotte, was erinnert mich nicht an
dich! Umgibst du mich nicht! Und habe ich nicht, gleich einem Kinde, ungenügsam
allerlei Kleinigkeiten zu mir gerissen, die du Heilige berührt hattest! Liebes
Schatenbild! Ich vermache dir es zurück, Lotte, und bitte dich, es zu ehren.
Tausend, tausend Küsse habe ich darauf gedrückt, tausend Grüße ihm zugewinkt,
wenn ich ausging oder nach Hause kam. Ich habe deinen Vater in einem Zettelchen
gebeten, meine Leiche zu schützen.
Auf dem Kirchhofe sind zwei Lindenbäume, hinten
in der Ecke nach dem Felde zu; dort wünsche ich zu ruhen. Er kann, er wird das
für seinen Freund tun. Bitte ihn auch. Ich will frommen Christen nicht zumuten,
ihren Körper neben einen armen Unglücklichen zu legen. Ach, ich wollte, ihr
begrübt mich am Wege, oder im einsamen Tale, daß Priester und Levit vor dem
bezeichneten Steine sich segnend vorübergingen und der Samariter eine Träne
weinte. Hier, Lotte! Ich schaudre nicht, den kalten, schrecklichen Kelch zu
fassen, aus dem ich den Taumel des Todes trinken soll! Du reichtest mir ihn, und
zage nicht. All! All! So sind alle die Wünsche und Hoffnungen meines Lebens
erfüllt! So kalt, so starr an der ehernen Pforte des Todes anzuklopfen. Daß ich
des Glückes hätte teilhaftig werden können, für dich zu sterben! Lotte, für dich
mich hinzugeben! Ich wollte mutig, ich wollte freudig sterben, wenn ich dir die
Ruhe, die Wonne deines Lebens wiederschaffen könnte. Aber ach! Das ward nur
wenigen Edeln gegeben, ihr Blut für die Ihrigen zu vergießen und durch ihren Tod
ein neues, hundertfältiges Leben ihren Freunden anzufachen.
In diesen Kleidern, Lotte, will ich begraben
sein, du hast sie berührt, geheiligt; ich habe auch deinen Vater darum gebeten.
Meine Seele schwebt über dem Sarge. Man soll meine Taschen nicht aussuchen.
Diese blaßrote Schleife, die du am Busen hattest, als ich dich zum ersten Male
unter deinen Kindern fand - o küsse sie tausendmal und erzähle ihnen das
Schicksal ihres unglücklichen Freundes. Die Lieben! Sie wimmeln um mich. Ach wie
ich mich an dich schloß! Seit dem ersten Augenblicke dich nicht lassen konnte! -
diese Schleife soll mit mir begraben werden. An meinem Geburtstage schenktest du
sie mir! Wie ich das alles verschlang! - ach, ich dachte nicht, daß mich der Weg
hierher führen sollte! - - sei ruhig! Ich bitte dich, sei ruhig! - Sie sind
geladen - es schlägt zwölfe! So sei es denn! - Lotte! Lotte, lebe wohl! Lebe
wohl!"
Ein Nachbar sah den Blick vom Pulver und hörte
den Schuß fallen; da aber alles stille blieb, achtete er nicht weiter drauf.
Morgens um sechse tritt der Bediente herein mit dem Lichte. Er findet seinen
Herrn an der Erde, die Pistole und Blut. Er ruft, er faßt ihn an; keine Antwort,
er röchelt nur noch. Er läuft nach den Ärzten, nach Alberten. Lotte hört die
Schelle ziehen, ein Zittern ergreift alle ihre Glieder. Sie weckt ihren Mann,
sie stehen auf, der Bediente bringt heulend und stotternd die Nachricht, Lotte
sinkt ohnmöchtig vor Alberten nieder. Als der Midikus zu dem Unglücklichen kam,
fand er ihn an der Erde ohne Rettung, der Puls schlug, die Glieder waren alle
gelähmt. Über dem rechten Auge hatte er sich durch den Kopf geschossen, das
Gehirn war herausgetrieben. Man ließ ihm zum Überfluß eine Ader am Arme, das
Blut lief, er holte noch immer Atem. Aus dem Blut auf der Lehne des Sessels
konnte man schließen, er habe sitzend vor dem Schreibtische die Tat vollbracht,
dann ist er heruntergesunken, hat sich konvulsivisch um den Stuhl herumgewälzt.
Er lag gegen das Fenster entkräftet auf dem Rücken, war in völliger Kleidung,
gestiefelt, im blauen Frack mit gelber Weste.
Das Haus, die Nachbarschaft, die Stadt kam in
Aufruhr. Albert trat herein. Werthern hatte man auf das Bett gelegt, die Stirn
verbunden, sein Gesicht schon wie eines Toten, er rührte kein Glied. Die Lunge
röchelte noch fürchterlich, bald schwach, bald stärker; man erwartete sein Ende.
Von dem Weine hatte er nur ein Glas getrunken". Emilia Galotti"lag auf dem Pulte
aufgeschlagen. Von Alberts Bestürzung, von Lottens Jammer laßt mich nichts
sagen. Der alte Amtmann kam auf die Nachricht hereingesprengt, er küßte den
Sterbenden unter den heißesten Tränen. Seine ältesten Söhne kamen bald nach ihm
zu Fuße, sie fielen neben dem Bette nieder im Ausdrucke des unbändigsten
Schmerzens, küßten ihm die Hände und den Mund, und der älteste, den er immer am
meisten geliebt, hing an seinen Lippen, bis er verschieden war und man den
Knaben mit Gewalt wegriß. Um zwölfe mittags starb er.
Die Gegenwart des Amtmannes und seine Anstalten
tuschten einen Auflauf. Nachts gegen eilfe ließ er ihn an die Stätte begraben,
die er sich erwählt hatte. Der Alte folgte der Leiche und die Söhne, Albert
vermocht's nicht. Man fürchtete für Lottens Leben. Handwerker trugen ihn. Kein
Geistlicher hat ihn begleitet.
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