Rezensionen zu aktuellen deutschen Filmen, Informationen zum Gebrauch
von Filmen im Unterricht.
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Aktueller Stand (Mai 2007):52
Rezensionen online
Für Ihre Schüler (leider nur auf Niederländisch) gibt es im vaklokaal
Duits eine
Liste deutscher
Filme mit Kurzbeschreibungen.
Auch gibt es im vaklokaal im
Duitsland-ABC ein SPEZIAL:
De Duitse film toen en nu (Der
deutsche Film - früher und jetzt)
Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen: info AT
duits.de
Titel und Erscheinungsjahr
Zwei Tage Hoffnung - Der Aufstand vom 17. Juni 1953 (2003)
Kurzinhalt:
Die
Berliner Familie Kaminski ist in Ost und West geteilt. Sohn Helmut lebt im
Westteil der Stadt und arbeitet als freier Journalist für den RIAS.
Unmittelbar vor dem 17. Juni soll er an der Sektorengrenze einen
Kontaktmann aus dem Osten treffen, der Informationen und eine brisante
Namensliste übermitteln will. Doch aus der Übergabe wird nichts. Der
SED-Überläufer wird vor seinen Augen in den Osten verschleppt. Lediglich
die Namensliste fällt Helmut in die Hände. Unter den politisch als
unzuverlässig eingestuften DDR-Bürgern stößt er auch auf die Namen
seines Vaters und seines Bruders. Er beschließt die Familie in Ost-Berlin
zu warnen. Ein folgenreicher Entschluss, denn damit gerät er genau in die
Wirren des Aufstands...
"Zwei Tage Hoffnung" behandelt entgegen dem Titel drei Tage in
jenem Juni 1953. Die Brüder Wolfgang (Hans-Werner Meyer) und Helmut Kaminski
(Sebastian Koch) leben in beiden Hälften Berlins. Wolfang ist Mitarbeiter der
SED-Bezirksleitung Friedrichshain, Helmut lebt im Westteil
der Stadt und arbeitet als freier Journalist für den RIAS, den Radiosender
Im Amerikanischen Sektor.
Wolfgang (Hans-Werner Meyer) und Angelika (Lisa Martinek)
Unmittelbar vor dem 17. Juni soll Helmut an der
Sektorengrenze einen Kontaktmann aus dem Osten treffen, der Informationen und
eine brisante Namensliste übermitteln will. Doch aus der Übergabe wird nichts.
Der SED-Überläufer wird vor seinen Augen in den Osten verschleppt, kann aber
noch schnell die Aktentasche wegwerfen. Helmut hat jetzt immerhin die
Namensliste. Ein ihn begleitender Fotograf hat außerdem die gesamte Aktion
festgehalten. Auf den Fotos ist später auch sein Bruder Wolfgang zu erkennen. Die
Liste enthält - wie sich allmählich herausstellt - die Namen von DDR-Bürgern,
die als politisch unzuverlässig eingestuft wurden. Sie enthält auch die Namen
seines Vaters und seines Bruders. Helmut beschließt die Familie in Ost-Berlin
zu warnen.
Sebastian Koch als Helmut
Als Helmut dann - nach zwei Jahren - plötzlich vor der Tür steht, wird die
Sache nicht einfacher. Denn die Eltern (Matthias Habich, Cornelia Schmaus) sind
genauso gegensätzlich wie die Brüder: Die Mutter bemüht sich, die zerrissene
Familie wieder zusammenzuführen und freut sich, dass Helmut sie nach zwei
Jahren wieder besucht. Der Vater Otto, Brigadeleiter der Bauarbeiter an der Stalinallee,
ist ein wandelnder Vorwurf an seinen in den Westen geflohenen Sohn. Er wirft ihm
nicht nur vor, auf der politisch falschen Seite zu stehen, Helmut sei auch
schuld daran, dass der dritte Sohn, Max, in den letzten Kriegswirren im
russischen Sperrfeuer gestorben ist, weil Helmut nicht gut auf ihn aufgepasst
hätte. Natürlich darf auch hier eine Liebesgeschichte nicht fehlen: durch eine
Frau, Angelika (Lisa Martinek) die sich zu beiden Brüdern hingezogen fühlt. Am
Anfang der Geschichte ist sie Wolfgangs Freundin, doch wird bereits klar, dass
Angelika mal Helmuts Jugendliebe war.
Die Arbeiter an der Stalinallee werden inzwischen immer unruhiger. Die
Arbeitsnorm wurde erhöht, obwohl die Baumaterialien allerorts fehlen. Otto
Kaminski lässt wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Proteste nützen
nichts, auch Wolfgang kann bei der SED-Bezirksleitung nichts erreichen. Dann
kommt es zum Streik, zu Verhaftungen und letztendlich zum Aufmarsch russischer
Truppen.
Helmut entdeckt, dass Wolfgang von den Verschleppungen wusste. Mit den Fotos
konfrontiert, gesteht Wolfgang dies und sieht jetzt ein - nachdem
Stasi-Mitarbeiter Vater Otto im Streikgewühl brutal zusammengeschlagen hatten -
dass der Kontaktmann durch seine Schuld im Gefängnis ist. Er möchte ihn
unbedingt befreien. Doch dazu ist es zu spät. Als alle drei in den Westen
fliehen wollen, kommt nur Wolfgang unversehrt durch. Helmut und Angelika wollen
es in der Dunkelheit nochmal probieren, doch ihre Flucht scheitert...
Didaktische Bewertung
und Empfehlungen
sprachlich
Die
DVD bietet deutsche Untertitel, daher keine Probleme bei der
Verständigung.
thematisch
Um
den Film verstehen zu können setzt das Thema "Der Aufstand des 17. Juni
1953" so Einiges an geschichtlichem Vorwissen voraus. Konkret sollten
Schüler wissen, wie der Kalte Krieg sich zu der Zeit entwickelt hatte. Themen
wie die DDR zur Zeit des Stalinismus, die Rolle der SED, der Stasi und des RIAS
sollten vorher angesprochen werden. Auch die Bedeutung des Prestigeprojekts Stalinallee
darf in eine Vorbesprechung nicht fehlen.
Filmkritik
& Fazit
Neben Tage des Sturms und Der Aufstand
war Zwei Tage Hoffnung die dritte Fernsehproduktion, die im Gedenkjahr
2003 an den Arbeiteraufstand 1953 in der DDR erinnerte.
Zwei
Tage Hoffnung, eine Co-Produktion des WDR und SWR, ist leider ein Beispiel
dafür, wie man mit den finanziellen Mitteln eines Fernsehspiels dennoch
"großes Kino" machen wollte. Der Produzent verdichtet zahlreiche
Ereignisse in den Schicksalen seiner Hauptfiguren. Obwohl dies den historischen
Tatsachen nicht immer entsprechen dürfte, ermöglicht es den Zuschauern einen
konkreten Zugang zu den komplizierten politischen Ereignissen dieser Zeit. Doch
die Berliner Arbeiterfamilie wirkt mit ihren Archetypen leider ziemlich
konstruiert, dagegen kommt auch die gediegene Schauspielarbeit von u.a.
Sebastian Koch und Matthias Habich nicht an.
Die
historischen Massenszenen können nicht überzeugen. Man wird das Gefühl nicht
los, drei Panzern und 100 Statisten - obwohl in Berlin und Umgebung gedreht -
auf einem stillgelegten Fabrikgelände zuzuschauen. Da hätte man angesichts des
bescheidenen Budgets besser ganz darauf verzichtet. Die (melo)dramatische Musik,
die solche Szenen kräftig untermalt, kann den Film auch nicht retten. Im
Gegenteil. Sie wirkt überdimensioniert und zeigt eher noch die Schwächen
solcher Szenen auf.
Langweilig ist der Film auf keinen Fall, doch
er leidet darunter, dass Vieles oft vorhersagbar und unglaubwürdig ist. Der
Vater verzeiht auf dem Krankenbett noch schnell Sohn Helmut, Wolfgang ist
blitzschnell geläutert und will jetzt Gutes tun, der böse Stasi-Mann wird
erschossen (aus Notwehr), die verfeindeten Brüder versöhnen sich und Angelika
verliebt sich in - wen wohl - Helmut.
Fazit
Ein
melodramatischer, teilweise spannender Film, der über eine Familiengeschichte
den Zugang zu komplizierten historischen Ereignissen ermöglicht. Für den
Unterricht ist der Film daher durchaus geeignet (Freigegeben nach JuSchG ab 12
Jahren), schließt er auch an Sehgewohnheiten im Sinne von Action und Melodram
an. Aufgrund des benötigten Vorwissens ist der Film jedoch nur für spezifische
Ziele einsetzbar, z.B. die Beschäftigung mit der deutschen Geschichte der
letzten Jahrzehnte. Daher kämen für mich Schüler ab ca. 5-HAVO/4-VWO als
Zielgruppen in Frage.
Außerdem wäre es vielleicht interessant,
gerade bei diesem Film mal zu schauen, ob die Schüler die spezifischen
Qualitäten und Schwächen des Films erkennen und benennen können.
... weitere DVD-Rezensionen:
Besonders empfohlen für den Unterricht
Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)
Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch
anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)
Zu
anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"
Kriterien: Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde