Deutsche Filme im Unterricht

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  • Auch gibt es im vaklokaal im Duitsland-ABC ein SPEZIAL: De Duitse film toen en nu (Der deutsche Film - früher und jetzt)
  • Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen:  info AT duits.de









Titel und Erscheinungsjahr

Zwei Tage Hoffnung - Der Aufstand vom 17. Juni 1953 (2003)

Kurzinhalt:

Die Berliner Familie Kaminski ist in Ost und West geteilt. Sohn Helmut lebt im Westteil der Stadt und arbeitet als freier Journalist für den RIAS. Unmittelbar vor dem 17. Juni soll er an der Sektorengrenze einen Kontaktmann aus dem Osten treffen, der Informationen und eine brisante Namensliste übermitteln will. Doch aus der Übergabe wird nichts. Der SED-Überläufer wird vor seinen Augen in den Osten verschleppt. Lediglich die Namensliste fällt Helmut in die Hände. Unter den politisch als unzuverlässig eingestuften DDR-Bürgern stößt er auch auf die Namen seines Vaters und seines Bruders. Er beschließt die Familie in Ost-Berlin zu warnen. Ein folgenreicher Entschluss, denn damit gerät er genau in die Wirren des Aufstands...

 

Regisseur

  • Peter Keglevic

Hauptdarsteller

  • Sebastian Koch (Der Tunnel, Zwei Tage Hoffnung, Speer und er, Stauffenberg, Das Leben der Anderen)
  • Hans-Werner Meyer
  • Matthias Habich (Jahrestage, Der Untergang)
  • Lisa Martinek

Meine Bewertung

Webseite zum Film

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Inhalt

"Zwei Tage Hoffnung" behandelt entgegen dem Titel drei Tage in jenem Juni 1953. Die Brüder Wolfgang (Hans-Werner Meyer) und Helmut Kaminski (Sebastian Koch) leben in beiden Hälften Berlins. Wolfang ist Mitarbeiter der SED-Bezirksleitung Friedrichshain, Helmut lebt im Westteil der Stadt und arbeitet als freier Journalist für den RIAS, den Radiosender Im Amerikanischen Sektor. 


Wolfgang (Hans-Werner Meyer) und Angelika (Lisa Martinek)

Unmittelbar vor dem 17. Juni soll Helmut an der Sektorengrenze einen Kontaktmann aus dem Osten treffen, der Informationen und eine brisante Namensliste übermitteln will. Doch aus der Übergabe wird nichts. Der SED-Überläufer wird vor seinen Augen in den Osten verschleppt, kann aber noch schnell die Aktentasche wegwerfen. Helmut hat jetzt immerhin die Namensliste. Ein ihn begleitender Fotograf hat außerdem die gesamte Aktion festgehalten. Auf den Fotos ist später auch sein Bruder Wolfgang zu erkennen. Die Liste enthält - wie sich allmählich herausstellt - die Namen von DDR-Bürgern, die als politisch unzuverlässig eingestuft wurden. Sie enthält auch die Namen seines Vaters und seines Bruders. Helmut beschließt die Familie in Ost-Berlin zu warnen. 


Sebastian Koch als Helmut

Als Helmut dann - nach zwei Jahren - plötzlich vor der Tür steht, wird die Sache nicht einfacher. Denn die Eltern (Matthias Habich, Cornelia Schmaus) sind genauso gegensätzlich wie die Brüder: Die Mutter bemüht sich, die zerrissene Familie wieder zusammenzuführen und freut sich, dass Helmut sie nach zwei Jahren wieder besucht. Der Vater Otto, Brigadeleiter der Bauarbeiter an der Stalinallee, ist ein wandelnder Vorwurf an seinen in den Westen geflohenen Sohn. Er wirft ihm nicht nur vor, auf der politisch falschen Seite zu stehen, Helmut sei auch schuld daran, dass der dritte Sohn, Max, in den letzten Kriegswirren im russischen Sperrfeuer gestorben ist, weil Helmut nicht gut auf ihn aufgepasst hätte. Natürlich darf auch hier eine Liebesgeschichte nicht fehlen: durch eine Frau, Angelika (Lisa Martinek) die sich zu beiden Brüdern hingezogen fühlt. Am Anfang der Geschichte ist sie Wolfgangs Freundin, doch wird bereits klar, dass Angelika mal Helmuts Jugendliebe war.

Die Arbeiter an der Stalinallee werden inzwischen immer unruhiger. Die Arbeitsnorm wurde erhöht, obwohl die Baumaterialien allerorts fehlen. Otto Kaminski lässt wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Proteste nützen nichts, auch Wolfgang kann bei der SED-Bezirksleitung nichts erreichen. Dann kommt es zum Streik, zu Verhaftungen und letztendlich zum Aufmarsch russischer Truppen.

Helmut entdeckt, dass Wolfgang von den Verschleppungen wusste. Mit den Fotos konfrontiert, gesteht Wolfgang dies und sieht jetzt ein - nachdem Stasi-Mitarbeiter Vater Otto im Streikgewühl brutal zusammengeschlagen hatten - dass der Kontaktmann durch seine Schuld im Gefängnis ist. Er möchte ihn unbedingt befreien. Doch dazu ist es zu spät. Als alle drei in den Westen fliehen wollen, kommt nur Wolfgang unversehrt durch. Helmut und Angelika wollen es in der Dunkelheit nochmal probieren, doch ihre Flucht scheitert...

Didaktische Bewertung und Empfehlungen

sprachlich

Die DVD bietet deutsche Untertitel, daher keine Probleme bei der Verständigung. 

thematisch

Um den Film verstehen zu können setzt das Thema "Der Aufstand des 17. Juni 1953" so Einiges an geschichtlichem Vorwissen voraus. Konkret sollten Schüler wissen, wie der Kalte Krieg sich zu der Zeit entwickelt hatte. Themen wie die DDR zur Zeit des Stalinismus, die Rolle der SED, der Stasi und des RIAS sollten vorher angesprochen werden. Auch die Bedeutung des Prestigeprojekts Stalinallee darf in eine Vorbesprechung nicht fehlen.

Filmkritik & Fazit

Neben Tage des Sturms und Der Aufstand war Zwei Tage Hoffnung die dritte Fernsehproduktion, die im Gedenkjahr 2003 an den Arbeiteraufstand 1953 in der DDR erinnerte. 

Zwei Tage Hoffnung, eine Co-Produktion des WDR und SWR, ist leider ein Beispiel dafür, wie man mit den finanziellen Mitteln eines Fernsehspiels dennoch "großes Kino" machen wollte. Der Produzent verdichtet zahlreiche Ereignisse in den Schicksalen seiner Hauptfiguren. Obwohl dies den historischen Tatsachen nicht immer entsprechen dürfte, ermöglicht es den Zuschauern einen konkreten Zugang zu den komplizierten politischen Ereignissen dieser Zeit. Doch die Berliner Arbeiterfamilie wirkt mit ihren Archetypen leider ziemlich konstruiert, dagegen kommt auch die gediegene Schauspielarbeit von u.a. Sebastian Koch und Matthias Habich nicht an.

Die historischen Massenszenen können nicht überzeugen. Man wird das Gefühl nicht los, drei Panzern und 100 Statisten - obwohl in Berlin und Umgebung gedreht - auf einem stillgelegten Fabrikgelände zuzuschauen. Da hätte man angesichts des bescheidenen Budgets besser ganz darauf verzichtet. Die (melo)dramatische Musik, die solche Szenen kräftig untermalt, kann den Film auch nicht retten. Im Gegenteil. Sie wirkt überdimensioniert und zeigt eher noch die Schwächen solcher Szenen auf.

Langweilig ist der Film auf keinen Fall, doch er leidet darunter, dass Vieles oft vorhersagbar und unglaubwürdig ist. Der Vater verzeiht auf dem Krankenbett noch schnell Sohn Helmut, Wolfgang ist blitzschnell geläutert und will jetzt Gutes tun, der böse Stasi-Mann wird erschossen (aus Notwehr), die verfeindeten Brüder versöhnen sich und Angelika verliebt sich in - wen wohl - Helmut. 

Fazit

Ein melodramatischer, teilweise spannender Film, der über eine Familiengeschichte den Zugang zu komplizierten historischen Ereignissen  ermöglicht. Für den Unterricht ist der Film daher durchaus geeignet (Freigegeben nach JuSchG ab 12 Jahren), schließt er auch an Sehgewohnheiten im Sinne von Action und Melodram an. Aufgrund des benötigten Vorwissens ist der Film jedoch nur für spezifische Ziele einsetzbar, z.B. die Beschäftigung mit der deutschen Geschichte der letzten Jahrzehnte. Daher kämen für mich Schüler ab ca. 5-HAVO/4-VWO als Zielgruppen in Frage.

Außerdem wäre es vielleicht interessant, gerade bei diesem Film mal zu schauen, ob die Schüler die spezifischen Qualitäten und Schwächen des Films erkennen und benennen können. 

 

... weitere DVD-Rezensionen: 

   Besonders empfohlen für den Unterricht

Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)

   Mit Einschränkungen brauchbar

Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)

   Zu anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"

Kriterien:  Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde

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