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Titel und Erscheinungsjahr Willenbrock (2005)
Webseite zum Film Inhalt I'm walking on sunshine singt Bernd Willenbrock (Axel Prahl), als er sich frühmorgens in sein Auto schwingt und gutgelaunt zur Arbeit fährt. Einen Augenblick lang glaubt man als Zuschauer einem Werbespot zuzuschauen, doch während der Autofahrt holt ihn die Realität wieder ein: Willenbrock fährt an einer schlimmen Unfallstelle vorbei - ein böses Vorzeichen für das, was ihn und mit ihm den Zuschauer erwartet. Doch, wie auch weiterhin im Film immer wieder klar wird: Willenbrock lebt in seiner eigenen Welt von Glück und Erfolg - wie andere Menschen denken und fühlen erreicht ihn nur bedingt.
Willenbrock, lebensfreudiger Erfolgsmensch und Charmeur scheint sein Leben im Griff zu haben. Ein schönes Haus, ein großer Wagen und eine schöne Frau - er hat als selfmade man "alles" erreicht. Doch reichen ihm Ehe und geschäftlicher Erfolg nicht. Er betrügt seine Frau Susanne mit einer Dauergeliebten und der einen oder anderen Bekanntschaft, bringt ihr allerdings als regelrechter Womanizer regelmäßig Blumen oder ein Parfum mit. Susanne ahnt bereits seit Längerem, dass er sie betrügt, ist jedoch unschlüssig und kämpft mit ihr selbst: Willenbrock hat ihr bisher jedesmal die schweren Entscheidungen abgenommen und ihre Modeboutique finanziell über Wasser gehalten. - Ihre Abhängigkeit von ihm wird ihr aber zur Qual.
Zu einem Einschnitt in Willenbrocks gesicherten, bisher linear erfolgreichen Leben, wird ein Wochenende im eigenen Wochenendhaus. Nachts werden sie überfallen und müssen um ihr Leben Kämpfen. Die Täter entkommen, Bernd Willenbrock wird leicht verletzt. Die mutmaßlichen Täter werden in einer ungeschickten Gegenüberstellung präsentiert, sodass auch sie die Willenbrocks dabei sehen. Willenbrock ist sich nicht ganz sicher, meint aber die Täter erkannt zu haben. Susanne lässt die schreckliche Erfahrung nicht mehr los und lebt in ständiger Angst, während ihr Mann fast trotzig versucht, über seine Verdrängung hinweg den alten Schwung zu finden und seine Susanne zu beruhigen. Doch auch er lebt in Verunsicherung, zumal sich herausstellt, dass der Beweis gegen die Täter nicht gereicht hat und sie lediglich abgeschoben worden sind. Das heißt, dass sie auf freiem Fuß sind und dazu über die Adresse der Willenbrockschen Villa verfügen. Susanne lässt sich auch durch die neuen Schlösser der Villa und die neue Alarmanlage nicht beruhigen. Als ihr dann klar wird, dass Bernd ihr die Abschiebung der Täter verheimlicht hat und seine Seitensprünge ableugnet, möchte sie sich von ihm trennen lassen und zieht aus. Die junge Studentin, mit der Bernd eine weitere Flirtbeziehung aufbauen wollte, gibt ihm einen Korb. Willenbrock lässt sich eine Pistole schenken von einem Russischen Geschäftsfreund. Als dann tatsächlich eines Abends eingebrochen wird, erschießt er den Einbrecher, der allerdings schwer verletzt entkommen kann. Willenbrocks gesicherte Existenz scheint definitiv auseinander zu fallen. Doch dann besucht ihn Susanne noch einmal. Kein Happy End, sondern zwei Menschen, die sich beide wieder finden müssen, bleiben zurück. Didaktische Bewertung sprachliche Verständlichkeit Ausgezeichnet, zumal die DVD deutsche Untertitel bietet. Fazit & didaktische Möglichkeiten Willenbrock, nach der gleichnamigen Romanvorlage von Christoph Hein, ist meines Erachtens ein wunderbarer Film mit viel Gespür für Drama, Tragik und - wie zu erwarten bei Andreas Dresen - auch für das Tragikomische. Auch wenn Dresen - anders als in Halbe Treppe - den Improvisationsstil verlassen hat und entsprechend dem Stoff ein höheres Erzähltempo anwendet, ist nicht nur der realistische und zugleich tragikomische Erzählton erhalten geblieben sondern auch eine besondere Qualität: die Lebendigkeit der Figuren. Axel Prahl spielt die Figur Willenbrock hervorragend: ein eher schlichtes Gemüt, Erfolgsmensch und Charmeur in einem, der die Regeln des Spiels zu beherrschen scheint, dann aber aus der Bahn geworfen wird, sich wiederfinden muss. Inka Friedrich stellt die verletzte und panische Susanne ebenfalls sehr glaubhaft dar. Von der Form her gibt es viel Interessantes zu entdecken. Zum Beispiel wie nach dem Überfall die Kamerahandhabung und die Farbgebung nach und nach die Verunsicherung unterstreichen, die das Leben der Willenbrocks seitdem beherrscht. Die Schlusssequenz wirkt im gleißend weißen Licht fast surrealistisch. Wunderbar sind auch die fast in Hitchcock-Manier gedrehte Überfall-Szene und die witzige Szene mit der Probefahrt, wo ein kritisches Kundenehepaar, durch ein atemberaubendes Bremsmanöver überzeugt werden muss, dass der Gebrauchtwagen wirklich taugt. Wie brüchig Erfolg und Glück sein können, wie man sie - wie Willenbrock - definieren kann, wie ein Mensch durch äußere Umstände die Kontrolle über sein Leben verlieren kann, ja letztendlich schuldig wird (Willenbrock erschießt ja den zweiten Einbrecher) - das dürfte ein Thema sein, dass auch Jugendliche anspricht. Willenbrocks schlichte Moral ist an sich schon eine nähere Betrachtung wert. Ich könnte mir vorstellen, diesen Film etwa ab 4-havo zu zeigen und solche Fragen zu diskutieren. Als Aufgabe fällt mir außerdem spontan ein, dass die Schüler die Biographie der beiden Hauptfiguren rekonstruieren könnten: Wie sind Bernd und Susanne geworden, zu dem was sie sind?
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