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Titel und Erscheinungsjahr Nicht alle waren Mörder (2006)
Webseite zum Film
http://www.swr.de/nicht-alle-waren-moerder Inhalt Die nationalsozialistische Führung erlässt den Befehl, alle noch in Deutschland lebenden Juden zu verhaften und zu deportieren. Als die SS eines Morgens die jüdischen Bürger ihrer Straße aus den Häusern holt, reißen die Berliner Jüdin Anna Degen und ihr Sohn Michael die Sterne von ihren Kleidern, greifen sich das Nötigste und verlassen im letzten Moment die Wohnung, um unterzutauchen. Es beginnt ein Leben in ständiger Angst vor Entdeckung und Verrat. Lona Furkert, eine Freundin der Familie, weiß eine Adresse, bei der Mutter und Sohn unterkommen können. Sie bringt die beiden zu Ludmilla Dimitrieff, wohlhabende russische Emigrantin mit guten Beziehungen zu Nazigrößen, die sie in ihrer großbürgerlichen Wohnung versteckt. Bedingung, neben der Bezahlung: Wenn Ludmilla ihre Hauskonzerte gibt, müssen Anna und Michael unsichtbar bleiben und dürfen bei Alarm nicht in den Luftschutzkeller. So erleben Mutter und Sohn eines Nachts unter Todesangst einen Luftangriff, bei dem mit der gesamten Straße auch Ludmillas Wohnung in Brand gerät. Sie müssen fliehen.
Didaktische Bewertung Sprachliche Verständlichkeit Die DVD kommt mit deutschen Untertiteln, doch auch so wird im allgemeinen sehr klar gesprochen. Leider ist - wie fast immer - das interessante Making Of ohne Untertitel. Thematisch Fazit & Filmkritik Mancher Deutschlehrer hierzulande (Niederlande), aber wohl nicht nur hier, wird etwas zögernd reagieren beim soundsovielstem Film zum Thema Zweiter Weltkrieg und Judenverfolgung. Man möchte oft gerade das andere, moderne Deutschland zeigen, das in unserer Jugendzeit so gut wie unsichtbar blieb. Und es gibt in den letzten Jahren ein wirklich attraktives Angebot an modernen und zugänglichen Filmen, dazu auf DVD. Also warum sollte man seinen Schülern "Nicht alle waren Mörder" "zumuten"? Ich glaube, dafür gibt es gute Gründe. Zunächst ist festzustellen, dass der erfahrene Regisseur und Drehbuchautor Jo Baier und Kameramann Gunnar Fuß hier erstklassige Arbeit geleistet haben. Und dann erst die Schauspieler! Aaron Altaras, der die Rolle des jungen Michael Degen spielt, ist ein Glücksfall. Doch auch Nadja Uhl überzeugt als Anna Degen. Ebenfalls sind hervorragende Leistungen von Maria Simon, Axel Prahl, Hannelore Elsner, Richy Müller und Katharina Thalbach zu sehen. Und nicht zuletzt steht die Produktionsfirma TeamWorX für einen hohen handwerklichen Standard. Obwohl meistens eingesetzt für eher kommerzielle historische Dramenmehrteiler ("Fernseh-Events") wie "der Tunnel", "die Luftbrücke" und neulich "Neger,Neger, Schornsteinfeger": Ausstattung, Szenenbild, Requisite und Spezialeffekte sind auf hohem Niveau. Diese Erfahrung zahlt sich hier aus. Obwohl im Vergleich zum Buch vieles ausgelassen werden musste, ist es Jo Baier gelungen, die Geschichte Michael Degens sensibel und ohne dramatische Kunstgriffe zu erzählen. Baier verzichtet, wie Degen in seinem Buch auch, auf eine bleischwere Moralisierung. Die Ereignisse, so wie sie sich aus der Sicht des Kindes darstellten, sind auch so erschreckend genug. Insofern reiht sich "Nicht alle waren Mörder" mit dieser nüchternen Tonart in die Reihe der Filme ein, die sich um ein nuanciertes Bild des Lebens währernd der nationalsozialistischen Diktatur bemühen. Man denke hier auch an den Gestapo-Verhörer in "Sophie Scholl" und nicht zuletzt an "Der Untergang", der Hitler erst recht als bedrohlich zeigte: Dieser Dämon war ein Mensch. In letzter Zeit erschienen Filme, die "stille Helden" thematisieren, auch wenn diese Menschen sich gar nicht als Helden verstanden. Man denke an "Schindlers List" oder "Der Pianist". Einige Kritiker äußerten Bedenken, dass diese Filme dadurch eine Verharmlosung der Schuldfrage ermöglichen. Doch ich glaube im Gegenteil, dass sie umso glaubwürdiger die Schuld-Opfer Frage aufzeigen, indem sie auf simples und mittlerweile veraltetes Schwarzweißdenken verzichten. Gerade diese Nüchternheit und die Tatsache, dass es sich hier um eine authentische Geschichte handelt, macht das Ganze um so erschreckender und überzeugender. Und es gibt einen pragmatisch-didaktischen Grund, warum man diesen Film seinen Schülern zeigen möchte. Der Film zeigt die Erlebnisse aus der Sicht eines Kindes, was eine größere Identifikation ermöglichen dürfte. Dies ist umso notwendiger, als das Wissen um diese Zeit oft sehr beschränkt ist und man mit Faktenwissen allein oft nicht das erreicht, was man erreichen möchte. Dabei ist das Thema nach wie vor aktuell und bedeutend. Und gerade weil eine vor Moral triefende Haltung fehlt, dürfte "Nicht alle waren Mörder" der jungen Generation einen Zugang zum Thema bieten. Didaktische Möglichkeiten Gerade die Tatsache, dass Michael Degen in seinen Erinnerungen und auch hier im Film aus der Sicht eines Kindes berichtet, ermöglicht einen direkten Zugang zum Thema für Schüler. Ich würde den Film ab ca. 14 Jahre einsetzen. In einer Didaktisierung würde ich daher Schüler eine Figur aus dem Film wählen und diese als "ich-Person" erzählen lassen. Sie könnten im Rahmen einer Gruppenarbeit auch eine Szene aus dem Film nachspielen und den Dialog dazu selbst erfinden. Eine andere Möglichkeit wäre es, Texte zu Fotos aus dem Film schreiben zu lassen: "Was denken oder sagen die Personen in diesem Moment?". Auch könnte man eine Tagebuchseite schreiben lassen. Angesichts der 7-teiligen Podcast Reihe (siehe weiter unten) ist es auch möglich, dass Schüler im Rahmen von Hörverständnis Notizen dazu machen oder Fragen dazu beantworten. Ich selbst lasse sie selbst Fragen dazu konstruieren, damit sie eine aktivere und kreativere Rolle einnehmen können und müssen. Bei diesem Film lohnt es sich auch, festzustellen welche Wissenslücken die Schüler eventuell haben. Zwar haben manche vom 2. Weltkrieg und Judenverfolgung gehört, doch ist dieses Wissen oft recht übersichtlich. So fragten meine Schüler, warum der Michael denn eigentlich eine Nazi-Uniform anzog und mit Rolf - ebenfalls in der Uniform der HJ - Freundschaft schloss. "Rolf war doch auch ein Nazi?" hieß es. Oder warum die Juden nicht öfter einfach ohne Judenstern herumliefen, damit sie keiner bemerken konnte. Oder das Geständnis von Vater Redlich über die Transporte nach Polen??? Dass viele große Vernichtungslager - auch Auschwitz - sich gerade außerhalb Deutschlands befanden, und die Gründe dafür, ist den meisten Schülern nicht bekannt. Auch interessant wäre eine Diskussion zu Fragen wie: War Vater Redlich im Film jetzt Opfer oder Täter? Oder beides? Und aus welchen, teilweise sehr verschiedenen Gründen, haben Lona, Ludmilla, die Teuber und Hotze den Degens eigentlich geholfen?
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