Deutsche Filme im Unterricht

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Rezensionen zu aktuellen deutschen Filmen,  Informationen zum Gebrauch  von Filmen im Unterricht.
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  • Aktueller Stand (Mai 2007): 52 Rezensionen online
  • Für Ihre Schüler (leider nur auf Niederländisch) gibt es im vaklokaal Duits eine Liste deutscher Filme mit Kurzbeschreibungen.
  • Auch gibt es im vaklokaal im Duitsland-ABC ein SPEZIAL: De Duitse film toen en nu (Der deutsche Film - früher und jetzt)
  • Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen:  info AT duits.de









Titel und Erscheinungsjahr

Nicht alle waren Mörder (2006)

Kurzinhalt

Berlin, 1943. Als Anna Degen beobachtet, wie ihre jüdischen Nachbarn von der SS abtransportiert werden, handelt sie schnell. Sie flüchtet mit ihrem 11-jährigen Sohn Michael in den Berliner Untergrund. Es folgt ein Leben in permanenter Angst aufgespürt und deportiert zu werden. Hoffnung und Verzweiflung bestimmen die Tage, aus denen Wochen und Jahre werden. Aber es gibt Menschen, die helfen, die sie verstecken und versorgen. Freunde und Fremde. Menschen, die nicht fragen, sondern beherzt handeln. Nicht alle waren Mörder ist die Fernsehverfilmung der Autobiographie des deutschen Schauspielers Michael Degen.

Regisseur

  • Jo Baier

Hauptdarsteller

  • Nadja Uhl
  • Aaron Altaras
  • Hannelore Elsner (Alles auf Zucker)
  • Axel Prahl (Halbe Treppe, Willenbrock)
  • Maria Simon (Good Bye Lenin!, Lichter)
  • Richy Müller (Die innere Sicherheit)
  • Katharina Thalbach (Sonnenallee)

Meine Bewertung

Webseite zum Film


http://www.swr.de/nicht-alle-waren-moerder
Dort gibt es viele Hintergrundinformationen zum Film: Fotos, Filmausschnitte, Infos zu den Dreharbeiten sowie Biografien von Autor Michael Degen, Regisseur Jo Baier und den Schauspielern. Auf einem historischen Stadtplan können die Stationen der Flucht durch Berlin nachvollzogen und angeklickt werden.

Inhalt

Die nationalsozialistische Führung erlässt den Befehl, alle noch in Deutschland lebenden Juden zu verhaften und zu deportieren. Als die SS eines Morgens die jüdischen Bürger ihrer Straße aus den Häusern holt, reißen die Berliner Jüdin Anna Degen und ihr Sohn Michael die Sterne von ihren Kleidern, greifen sich das Nötigste und verlassen im letzten Moment die Wohnung, um unterzutauchen.

Es beginnt ein Leben in ständiger Angst vor Entdeckung und Verrat. Lona Furkert, eine Freundin der Familie, weiß eine Adresse, bei der Mutter und Sohn unterkommen können. Sie bringt die beiden zu Ludmilla Dimitrieff, wohlhabende russische Emigrantin mit guten Beziehungen zu Nazigrößen, die sie in ihrer großbürgerlichen Wohnung versteckt. Bedingung, neben der Bezahlung: Wenn Ludmilla ihre Hauskonzerte gibt, müssen Anna und Michael unsichtbar bleiben und dürfen bei Alarm nicht in den Luftschutzkeller. So erleben Mutter und Sohn eines Nachts unter Todesangst einen Luftangriff, bei dem mit der gesamten Straße auch Ludmillas Wohnung in Brand gerät. Sie müssen fliehen.



Lonas Bekannter Karl Hotze, als Kommunist ein entschiedener Gegner der Nazis, verschafft ihnen einen Unterschlupf bei den Teubers, einer einfachen, höchst pragmatischen Familie. Deren unbestrittenes Oberhaupt ist Oma Teuber, die für ihre drei Töchter eine Art Privatbordell organisiert und geschäftstüchtig ihre Sofas an Anna und Michael vermietet. Hier können sie bleiben, bis Anna eines Tages auf der Straße von Gestapo Leuten angehalten wird, die zu wissen scheinen, wer sie wirklich ist. Im Augenblick höchster Bedrängnis findet sie zu großer Überzeugungskraft und es gelingt ihr, sich herauszureden. Doch wieder sind sie gezwungen, das Quartier zu wechseln.



Karl Hotze muss wegen seiner politischen Aktivitäten damit rechnen, selbst unter Beobachtung der Gestapo zu stehen. Trotzdem nimmt er Anna und Michael bei sich im Vorort Kaulsdorf auf, wo er mit seiner Frau Käthe und der Schwägerin Martchen lebt. Martchen kümmert sich sofort liebevoll um die Gäste im Dachgeschoss. Für Michael besorgt sie eine HJ Uniform, damit der Junge auch mal draußen spielen kann. Auf diese Art lernt er Rolf Redlich kennen, der mit seinem Vater ganz in der Nähe wohnt.Rolf und Michael werden Freunde, gemeinsam suchen sie im Wald nach Granatsplittern, die begehrte Tauschobjekte sind. Auch Rolfs Vater lernt Michael kennen, einen Lokführer, der in Michael sofort den Juden erkennt. Was der Junge seiner Mutter lieber nicht erzählt.

Und dann passiert es eines Nachts: Die Gestapo steht im Haus und verhaftet Karl und Käthe Hotze. Martchen kann Anna und Michael gerade noch warnen. Sie retten sich mit einem verzweifelten Sprung aus dem Fenster, bei dem Anna sich den Fuß verletzt. Nun sind sie ganz und gar ohne Bleibe und verstecken sich im Wald. In dieser verzweifelten Situation schlägt Michael seiner Mutter vor, Redlich um Hilfe zu bitten. Tatsächlich nimmt der mürrische und verschlossene Redlich die beiden bei sich auf. Es scheint ihn sogar zu freuen, dass endlich wieder eine Frau im Haus lebt und er macht keine Anstalten, sie zu verraten. Fast entwickelt sich so etwas wie ein Familienleben.



Rolf tritt auf der Suche nach Splittern im Wald auf eine Granate. Vater Redlich ist so verzweifelt, dass er Anna und Michael seine Schuld gesteht: Ohne sich zu wehren hat er jahrelang Juden in Deportationszügen nach Polen transportiert.

Anna und Michael sind froh, dass Martchen wieder in Kaulsdorf ist und sie dort aufnimmt. Hier bleiben sie, bis im April 45 die Russen einmarschieren. Doch noch ist das nicht das Ende der Gefahren. Denn der russische Besatzungsoffizier glaubt nicht, dass es Juden in Berlin gelungen ist zu überleben, und hält Anna für eine Spionin.

Didaktische Bewertung 

Sprachliche Verständlichkeit

Die DVD kommt mit deutschen Untertiteln, doch auch so wird im allgemeinen sehr klar gesprochen. Leider ist - wie fast immer - das interessante Making Of ohne Untertitel.

Thematisch

Fazit & Filmkritik

Mancher Deutschlehrer hierzulande (Niederlande), aber wohl nicht nur hier, wird etwas zögernd reagieren beim soundsovielstem Film zum Thema Zweiter Weltkrieg und Judenverfolgung. Man möchte oft gerade das andere, moderne Deutschland zeigen, das in unserer Jugendzeit so gut wie unsichtbar blieb. Und es gibt in den letzten Jahren ein wirklich attraktives Angebot an modernen und zugänglichen Filmen, dazu auf DVD. Also warum sollte man seinen Schülern "Nicht alle waren Mörder" "zumuten"? Ich glaube, dafür gibt es gute Gründe.

Zunächst ist festzustellen, dass der erfahrene Regisseur und Drehbuchautor Jo Baier und Kameramann Gunnar Fuß hier erstklassige Arbeit geleistet haben. Und dann erst die Schauspieler! Aaron Altaras, der die Rolle des jungen Michael Degen spielt, ist ein Glücksfall. Doch auch Nadja Uhl überzeugt als Anna Degen. Ebenfalls sind hervorragende Leistungen von Maria Simon, Axel Prahl, Hannelore Elsner, Richy Müller und Katharina Thalbach zu sehen. Und nicht zuletzt steht die Produktionsfirma TeamWorX für einen hohen handwerklichen Standard. Obwohl meistens eingesetzt für eher kommerzielle historische Dramenmehrteiler ("Fernseh-Events") wie "der Tunnel", "die Luftbrücke" und neulich "Neger,Neger, Schornsteinfeger": Ausstattung, Szenenbild, Requisite und Spezialeffekte sind auf hohem Niveau. Diese Erfahrung zahlt sich hier aus.  

Obwohl im Vergleich zum Buch vieles ausgelassen werden musste, ist es Jo Baier gelungen, die Geschichte Michael Degens sensibel und ohne dramatische Kunstgriffe zu erzählen. Baier verzichtet, wie Degen in seinem Buch auch, auf eine bleischwere Moralisierung. Die Ereignisse, so wie sie sich aus der Sicht des Kindes darstellten, sind auch so erschreckend genug. Insofern reiht sich "Nicht alle waren Mörder" mit dieser nüchternen Tonart in die Reihe der Filme ein, die sich um ein nuanciertes Bild des Lebens währernd der nationalsozialistischen Diktatur bemühen. Man denke hier auch an den Gestapo-Verhörer in "Sophie Scholl" und nicht zuletzt an "Der Untergang", der Hitler erst recht als bedrohlich zeigte: Dieser Dämon war ein Mensch. In letzter Zeit erschienen Filme, die "stille Helden" thematisieren, auch wenn diese Menschen sich gar nicht als Helden verstanden. Man denke an "Schindlers List" oder "Der Pianist". Einige Kritiker äußerten Bedenken, dass diese Filme dadurch eine Verharmlosung der Schuldfrage ermöglichen. Doch ich glaube im Gegenteil, dass sie umso glaubwürdiger die Schuld-Opfer Frage aufzeigen, indem sie auf simples und mittlerweile veraltetes Schwarzweißdenken verzichten. Gerade diese Nüchternheit und die Tatsache, dass es sich hier um eine authentische Geschichte handelt, macht das Ganze um so erschreckender und überzeugender.

Und es gibt einen pragmatisch-didaktischen Grund, warum man diesen Film seinen Schülern zeigen möchte. Der Film zeigt die Erlebnisse aus der Sicht eines Kindes, was eine größere Identifikation ermöglichen dürfte. Dies ist umso notwendiger, als das Wissen um diese Zeit oft sehr beschränkt ist und man mit Faktenwissen allein oft nicht das erreicht, was man erreichen möchte. Dabei ist das Thema nach wie vor aktuell und bedeutend. Und gerade weil eine vor Moral triefende Haltung fehlt, dürfte "Nicht alle waren Mörder" der jungen Generation einen Zugang zum Thema bieten.

Didaktische Möglichkeiten

Gerade die Tatsache, dass Michael Degen in seinen Erinnerungen und auch hier im Film aus der Sicht eines Kindes berichtet, ermöglicht einen direkten Zugang zum Thema für Schüler. Ich würde den Film ab ca. 14 Jahre einsetzen. In einer Didaktisierung würde ich daher Schüler eine Figur aus dem Film wählen und diese als "ich-Person" erzählen lassen. Sie könnten im Rahmen einer Gruppenarbeit auch eine Szene aus dem Film nachspielen und den Dialog dazu selbst erfinden. Eine andere Möglichkeit wäre es, Texte zu Fotos aus dem Film schreiben zu lassen: "Was denken oder sagen die Personen in diesem Moment?". Auch könnte man eine Tagebuchseite schreiben lassen.

Angesichts der 7-teiligen Podcast Reihe (siehe weiter unten) ist es auch möglich, dass Schüler im Rahmen von Hörverständnis Notizen dazu machen oder Fragen dazu beantworten. Ich selbst lasse sie selbst Fragen dazu konstruieren, damit sie eine aktivere und kreativere Rolle einnehmen können und müssen.

Bei diesem Film lohnt es sich auch, festzustellen welche Wissenslücken die Schüler eventuell haben. Zwar haben manche vom 2. Weltkrieg und Judenverfolgung gehört, doch ist dieses Wissen oft recht übersichtlich. So fragten meine Schüler, warum der Michael denn eigentlich eine Nazi-Uniform anzog und mit Rolf - ebenfalls in der Uniform der HJ - Freundschaft schloss. "Rolf war doch auch ein Nazi?" hieß es. Oder warum die Juden nicht öfter einfach ohne Judenstern herumliefen, damit sie keiner bemerken konnte. Oder das Geständnis von Vater Redlich über die Transporte nach Polen??? Dass viele große Vernichtungslager - auch Auschwitz - sich gerade außerhalb Deutschlands befanden, und die Gründe dafür, ist den meisten Schülern nicht bekannt. Auch interessant wäre eine Diskussion zu Fragen wie: War Vater Redlich im Film jetzt Opfer oder Täter? Oder beides? Und aus welchen, teilweise sehr verschiedenen Gründen, haben Lona, Ludmilla, die Teuber und Hotze den Degens eigentlich geholfen?

 

Downloads

  • SWR bietet eine 7-teilige Podcast Reihe an zum Film und zum Thema.

  • Eine schöne Broschüre zum Film als PDF Datei gibt es hier.

  • http://www.swr.de/nicht-alle-waren-moerder
    Dort gibt es viele Hintergrundinformationen zum Film, Filmausschnitte Videos von den Dreharbeiten sowie Biografien von Autor Michael Degen, Regisseur Jo Baier und den Schauspielern. Auf einem historischen Stadtplan können die Stationen der Flucht durch Berlin nachvollzogen werden.

 

... weitere DVD-Rezensionen: 

   Besonders empfohlen für den Unterricht

Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)

   Mit Einschränkungen brauchbar

Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)

   Zu anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"

Kriterien:  Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde

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