|
Titel und Erscheinungsjahr Netto (2005)
Trailer http://www.trailer-park.de/trailer/96_1114068985.wmv ZUSAMMENFASSUNG Berlin, Prenzlauer Berg. Marcel Werner ist arbeitslos und die Zukunft sieht nicht rosig aus. Die Ehe ist gescheitert, seine Frau hat ihn mit ihrem Sohn Sebastian vor zwei Jahren verlassen. Marcel ist der Typ "große Klappe - nichts dahinter", trinkt zuviel, übt sich fleißig in Selbstmitleid, lamentiert über die Ungerechtigkeit der Welt. Er quatscht jeden im Asia-Imbiß an auch wenn ihm keiner dabei zuhört. Doch es kommt noch peinlicher: Er hält sich für einen Experten in Sicherheitsfragen, trägt die passende unögliche Brille dazu und ist sich sicher, dass ihn da eine große Karriere erwartet. Er träumt von einer Karriere als Personenschüzter, trägt sogar regelmäßig eine Waffe bei sich. In einer besonder lakonischen Szene schließt er sich sogar ungebeten einem VIP-Transport an, und fühlt sich unglaublich wichtig.
Doch dann steht eines Tages sein Sohn Sebastian vor der Tür. Auf der Flucht vor familiärer Bevormundung möchte der inzwischen 15-jährige Sohn einige Zeit bei seinem Vater bleiben. Dem intelligenten und in der Schule erfolgreichen Sohn ist es peinlich, als er das ruinierte Leben seines Vaters mit ansehen muss, hilft ihm jedoch bei einer Bewerbung und versucht auch sonst, seinem Vater zu helfen. Das führt zu manchmal peinlichen und gleichzeitig wunderbaren Szenen. Zum Beispiel wenn sie auf der Couch ein Bewerbungsgespräch üben und Sebastian mit ernstem Gesicht den Vater befragt: "Herr Werner, welche Vorstellungen verbinden Sie denn mit Ihrer Arbeit in unserem Unternehmen?". Wenn der Sohn nach kurzer Zeit traurig feststellt, dass es noch nicht reicht: "Papa, du hast überhaupt kein Profil." protestiert Papa erst mal, kapituliert dann aber: "Ist gut, Mutti."
Zwischen den Beiden entsteht eine Freundschaft. Zusammen singen sie sogar den Country-Song "Mein bester Kumpel ist mein Vater" des vom Vater so verehrten DDR-Countrystars Peter Tschernig mit. Doch die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt: Aus der Bewerbung wurde nichts, und als Sebastian unerwartet mit einer Freundin nach Hause kommt, und sie seinen Vater im betrunkenen Zustand vorfinden, kann Sebastian vor seiner Freundin nur noch in eine Lüge fliehen.
Didaktische Bewertung Sprachliche Verständlichkeit Ausgezeichnet: DVD mit deutschen Untertiteln, sogar die Extras (Interviews mit Regisseur und Hauptdarstellern) sind untertitelt! Fazit & Filmkritik Es gab viel Lob und einige bedeutende Preise für Netto. Netto zeigt, dass eine gute Geschichte kein Budget braucht. Der Film wurde in zwei Wochen für 5.000 Euro mit einfachsten Mitteln gedreht (Mini-DVD Kamera). Die Darsteller erhielten keine Gagen. Hinzu kommt, dass der Film eine Seminararbeit, also nicht einmal die Abschlussarbeit des Regisseurs darstellt. Um so mehr Respekt gebührt dem Regisseur, der während der Dreharbeiten noch an der Filmhochschule Babelsberg studierte und das Drehbuch in 3 Monaten selbst schrieb. Obwohl Handkamera und Improvisation - in Netto reichlich vorhanden - zur Zeit durchaus in Mode sind, ist low-budget nicht gleich interessant. Dazu bedarf es guter Darsteller und einer Geschichte, und genau diese beiden bietet Netto. Die Geschichte trifft auch den Zeitgeist: Netto könnte man sozusagen als Fortführung von Good Bye Lenin! sehen. Auch hier geht es um Ideale und Illusionen, und um Arbeitslosigkeit. Doch hier sind es nicht Ideale der Vergangenheit, die zählen, sondern die letzten Ideale des "Wendeverlierers" Marcel, jetzt. Marcel Werner hat sich in zwei Illusionen begraben: in die seiner Security-Macke und in die Musik des DDR-Countrystars Peter Tschernig. Sein Sohn verkörpert neue Hoffnung in seinem Leben, bedeutet aber keineswegs die endgültige Lösung für seine Probleme. Die Schlusseinstellung zeigt jedoch, dass Marcel seine Illusionen als Illusionen wahrnehmen kann. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für Marcel. Interessant ist auch, dass Thalheim den Sohn nicht auf den altklugen Berater reduziert. Denn auch Sebastian hält eine Illusion hoch, als er bei seiner Freundin angibt über seinen tollen Vater. Nachdem sie seinen Vater aber im betrunkenen Zustand vorfinden, sagt er ihr, das wäre der Nachbar gewesen, um den sich sein Vater manchmal kümmert. Auch der Sohn ist nicht perfekt, und wirkt im Umgang mit der Freundin realistisch-verunsichert. Netto ist ein kleiner, unterhaltsamer Film, der absolut überzeugt. Der besondere Charme des Films liegt im Tragikomischen und im flotten Erzählstil, der nie aufdringlich wirkt. Auf schwere Gesellschaftskritik wurde zugunsten einer großen Nähe zu den Figuren verzichtet. Für den Unterricht ist der Film ein Leckerbissen. Welcher Jugendliche schämt sich nicht mal fur die Eltern, kennt auch das Gefühl, manchmal einfach vernünftiger zu sein? Das bietet schon so einiges an Identifikationsmöglichkeiten. Interessante Diskussionsthemen wären natürlich auch: Träume, Illusionen, Optimismus, Enttäuschungen. Ich würde den Film in der Schule so etwa ab 4havo/4vwo [15/16 Jahre, 3 Jahre Deutsch] einsetzen.
... weitere DVD-Rezensionen:
|
<<< vorige pagina
![]()
|