Deutsche Filme im Unterricht

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  • Aktueller Stand (Mai 2007): 52 Rezensionen online
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  • Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen:  info AT duits.de









Titel und Erscheinungsjahr

Napola - Elite für den Führer (2005)

Kurzinhalt

Deutschland 1942. Das Hitler-Regime ist auf dem Höhepunkt seiner politischen und militärischen Macht. Gegen den Willen seines Vaters geht der 17-jährige Arbeitersohn Friedrich, der ein begnadetes Boxtalent ist, auf eine Eliteschule der Nazis, Burg Allenstein. Zunächst ist er beeindruckt von dem Kameradschaftsgeist, der dort herrscht, und in Albrecht, dem literarisch talentierten Sohn eines Gauleiters, findet er einen guten Freund. Erst als Albrecht den Druck seines fanatischen Vaters nicht mehr aushält und Selbstmord begeht, erkennt Friedrich die Grausamkeit des Systems, mit dem er sich eingelassen hat.

[Quelle: u.a. Filmportal]

Regisseur

  • Dennis Gansel (Mädchen, Mädchen)

Hauptdarsteller

Meine Bewertung

Webseite zum Film

www.napola.film.de

Inhalt

Das "Dritte Reich" brauchte jede Menge Führungskräfte. Die besten Schüler wurden an sogenannten National Politischen Anstalten, (NAPOLAs) ausgebildet. Diese Eliteschulen befanden sich oft an wunderschönen Orten und boten der Jugend ein verlockendes und prestigeträchtiges Angebot. Napola erzählt von der Kraft dieser Verführung und von der persönlichen Zerstörung. Zentrales Motiv dabei ist der Boxkampf. Hier zeigt sich die Entwicklung, die die Hauptperson, der 17-jährige Friedrich Reimer, Arbeitersohn und Amateurboxer aus dem Berliner Wedding durchmacht. Hier wird auch klar, dass die national-sozialistische Erziehung aus damaliger Sicht eine wunderbare Chance war, die auch einen sozialen Aufstieg bedeutete.

Eines Tages boxt Friedrich in seinem Amateur-Boxverein gegen Napola-Schüler, die in Berlin zu Besuch sind. Friedrich, ein kräftiger, blonder und vor allem herzensguter Junge wehrt sich tapfer und hätte seinen arroganten Gegenspieler ausschalten können. Doch als der Gegner wehrlos am Boden liegt, möchte er ihn nicht KO schlagen. Friedrich verliert. Doch das Boxtalent Friedrichs ist nicht unaufgemerkt geblieben. Heinrich Vogler, Ausbilder an der Napola "Allenstein" hat ihn beobachtet und drückt ihm seinen Respekt aus. Er lädt Friedrich ein, sich für die Aufnahmeprüfung der Napola anzumelden. Friedrichs Vater ist wütend. "Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun!" schreit er den Sohn an. Er besteht darauf, dass er nach der Schule eine Lehre macht. Friedrich weigert sich und schleicht sich nachts aus dem Haus, um sich am nächsten mit gefälschter Unterschrift bei der Napola anzumelden.

Friedrich gewöhnt sich an die neuen Kameraden, die Uniform und ist überhaupt angetan von den martialischen Inszenierungen des Marschierens, der Ansprachen, der Lieder. Er schlägt sich mutig durch die typischen Schikanen der militärisch geprägten Ausbildung, passt sich an. Als dann der Sohn des Gauleiters, der Schöngeist Albrecht sein Stubenkamerad wird, entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden. Albrecht verkörpert in seinem ganzen Wesen das Gegenteil des treuen Regimeanhängers: Er hinterfragt, er kritisiert und entspricht auch körperlich - anders als "Musterschüler" Friedrich - in keinster Weise dem Ideal einer nationalsozialisten Herrschernatur. Für Albrechts Vater, den örtlichen Gauleiter Stein, ist Albrecht ein Versager. Er lässt in seiner Enttäuschung über den Sohn keine Gelegenheit aus, Albrecht zu demütigen.

Inzwischen ist Friedrichs Boxtalent in der Napola Allenstein erkannt worden und wird mit einem überzeugenden Sieg über die Konkurrenz anderer Napolas gekrönt. Man setzt große Hoffnungen auf ihn. Albrecht kritisiert ihn jedoch, dass er so hart zugeschlagen hat, obwohl der Gegner bereits am Boden war. Friedrich versteht kein Wort: "Das hätte der andere doch genauso gemacht mit mir."

Ein Schlüsselereignis ist die nächtliche Aktion gegen die russischen Kriegsgefangenen. Die Jungs werden nachts aus den Betten geholt und sollen nach den Gefangenen suchen. Sie erschießen mehrere Kriegsgefangenen, die keinesfalls bewaffnet waren, so wie sich herausstellt. Außerdem waren es Jugendliche. Albrecht kann es nicht ertragen, versucht verzweifelt das Leben eines Jugendlichen noch zu retten. Am nächsten Tag schreibt er einen Aufsatz, in dem er sagt dass er mit dieser Aktion "selbst Teil des Bösen geworden ist, das er bekämpfen wollte." Als Strafe schickt ihn sein Vater an die Ostfront, wozu er sich freiwillig bei der SS melden soll. Friedrich kann nicht verstehen, warum sein Freund so einen Aufsatz geschrieben hat, er sieht nicht ein, was oder wem er damit geholfen hat.

Bei einer weiteren gefährlichen Mutprobe im Rahmen der militärischen Ausbildung schwimmen die Schüler in eiskaltem Wasser unter einer Eisdecke hindurch. Doch Albrecht nutzt dies als Chance, Selbstmord zu begehen. Dann endlich versteht Friedrich, wie das System Menschen zerstört. Er trifft eine Entscheidung, die seine ganze Zukunft auf dem Spiel setzt.

Didaktische Bewertung 

sprachliche Verständlichkeit

Die deutsche DVD bietet leider keine deutschen Untertitel. Man muss daher den Film gelegentlich anhalten. Besonders die schnellen Dialoge zwischen den Stubenkameraden sind fast unverständlich und auch die Aussprache von Devid Striesow (Vogler) bereitet Probleme: Er spricht ein schnelles, gekniffenes Deutsch. Die beiden Hauptdarsteller Max Riemelt und Tom Schilling versteht man in der Regel gut.

Fazit & Filmkritik

Napola entstand auf der Basis eines gut recherchierten, prämiierten Drehbuchs. Es ist eine Geschichte der Verführung aus Sicht der Verführten. Meine Schüler haben dieses Prinzip schnell erkannt. Abgesehen von einigen sprachlichen Schwierigkeiten muss man nicht allzuviel historisches Kontextwissen einbringen als Lehrer. Napola ist auch keine historisch Rekonstruktion, sondern eine Geschichte, die erzählt, wie das nationalsozialistische Bildungssystem Jugendliche verführte und all diejenigen, die dem System kritisch gegenüberstanden zerstörte.

In kurzem Abstand kamen 2004/2005 "Der Untergang", "Sophie Scholl", "Der neunte Tag" und eben "Napola" in die deutschen Kinos. Auffallend ist, dass sowohl in Der Untergang als in Sophie Scholl als in Napola der Abschied vom karikatural gezeichneten Nazi vollzogen wird. In allen Filmen wird gezeigt, dass mancher Anhänger und Mitläufer (Mohr in Sophie Scholl, Sportlehrer Vogler in Napola) dem Machtssystem seinen Aufstieg verdankte. Nicht selten wirken sie wie Vaterfiguren, die nur das Beste für andere wollen und nicht verstehen können, warum diese nicht mitmachen.

Die Rolle des Friedrich ist mit Max Riemelt hervorragend besetzt. In seinem Blick, mit diesen großen blauen Augen, widerspiegelt sich genau die richtige Mischung aus naiver Bewunderung, Erstaunen und Begeisterung, die so typisch für Friedrich ist. Auch die Rolle des Albrecht ist mit dem oft zögerlichen und fragilen Tom Schilling überzeugend besetzt. Leider ist die Handlung selbst etwas vorhersagbar. Napola überzeugt eher durch die oft beeindruckenden, teilweise grausamen, Szenen als durch die recht konventionell gestaltete Handlung. Interessantes Extra auf der DVD sind das Videotagebuch von Regisseur Dennis Gansel (ca. 39 Min.) und die Interviews mit den Darstellern (ca. 10 Min.),

didaktische Möglichkeiten

Auf der Hand liegt hier als zentrales Thema "Verführung". Die Parallele zum berühmten Film (und Buch) The Wave liegt nahe. Auch interessant wäre eine Aufgabe, wo Schüler die Momente der Verführung festhalten: sowohl visuell als sprachlich-verbal gibt es dafür viele Beispiele. Später kann man darüber diskutieren, welchen Verführungen wir heute ausgesetzt sind. Aufgrund des Schwierigkeitsgrads und einiger grausamen Szenen würde ich den Film nur in der Oberstufe, ab ca. 16 Jahren, einsetzen.

 

... weitere DVD-Rezensionen: 

   Besonders empfohlen für den Unterricht

Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)

   Mit Einschränkungen brauchbar

Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)

   Zu anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"

Kriterien:  Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde

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