Deutsche Filme im Unterricht

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  • Aktueller Stand (Mai 2007): 52 Rezensionen online
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  • Auch gibt es im vaklokaal im Duitsland-ABC ein SPEZIAL: De Duitse film toen en nu (Der deutsche Film - früher und jetzt)
  • Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen:  info AT duits.de









Titel und Erscheinungsjahr

Milchwald (2003)

Ein Märchen in Angst und Farbe

Kurzinhalt

Die Geschwister Lea und Konstantin verstricken sich mit ihrer Stiefmutter Sylvia in deren Auto in eine harmlose Streiterei. Als Sylvia in Polen Halt macht und die Kinder vorübergehend an die Luft setzt, um in Ruhe eine Zigarette zu rauchen, sind Lea und Konstantin bei ihrer Rückkehr verschwunden. Ihr Vater Josef macht sich schließlich auf die Suche nach den beiden, die derweil im Wald einen Lieferwagen mit Lebensmitteln gefunden und sich davon bedient haben. Als sie von dem Besitzer gefunden werden und der im Fernsehen von einer Belohnung für die Kinder hört, hat er eine clevere Idee.

Regisseur

  • Christoph Hochhäusler

Hauptdarsteller

  • Judith Engel
  • Horst-Günther Marx
  • Miroslaw Baka
  • Sophie Charlotte Conrad
  • Leonard Bruckmann

Meine Bewertung

Webseite zum Film

Filminfo vom deutschen Verleih

Inhalt

Sylvia Mattis, Mitte 30, passt ihre Stiefkinder Lea (9) und Konstantin (7) auf dem Schulweg ab. Sie fährt mit ihnen ins nahe Polen, zum Einkaufen. Im Auto eskalieren schwelende Konflikte. In weiter Landschaft stoppt sie und setzt genervt die Kinder an die Luft. Wütend fährt sie weiter und kehrt erst nach einer Weile zurück – aber von den Kindern ist keine Spur zu entdecken. 

Nach panischer, jedoch flüchtiger Suche fährt Sylvia nach Hause. Sie scheint sowohl besorgt als auch erleichtert zu sein. Aus Angst davor, die Liebe ihres Mannes zu verlieren, findet sie ihm gegenüber keinen Weg, von ihrer Schuld zu sprechen. Unterdessen geraten die Kinder abends im Wald an einen Lieferanten namens Kuba Lubinski, der verspricht, ihnen zu ihren Eltern zu bringen. Doch aufgrund einer Verkettung von widrigen Umständen verlieren die Kinder jegliches Vertrauen in ihn. Dass ihr Vater schon auf dem Weg zu ihnen ist, halten sie für ein Märchen – und es ist der unzuverlässige Helfer, der für seine „Lüge“ bestraft werden muss.

Milchwald – das sind drei Geschichten über das Verlorengehen. Die Geschichte von Lea und Konstantin auf ihrer Odyssee zurück nach Hause. Die Geschichte ihres Vaters Josef, der sie verzweifelt sucht, nicht ahnend, welche Rolle seine Frau in diesem Drama spielt. Und: die tragische Geschichte von Sylvia, die auf der Suche nach Liebe ist und dabei in einen Strudel der Lügen gerät. 

Didaktische Bewertung 

sprachliche Verständlichkeit

Die DVD kommt zwar mit Untertiteln, jedoch nur Englisch und Französisch. Dennoch ist die Sprache kein Problem: Die Dialoge sind auf ein Minimum reduziert und es wird dabei durchaus klar artikuliert. 

thematisch

Milchwald ist - wie der Untertitel bereits sagt - ein Märchen. Ein schauderhaftes allerdings. Es erinnert in seinen Grundzügen ganz bewusst an "Hänsel und Gretel". Diese Ähnlichkeit dürfte den meisten Schülern einen Zugang zu diesem für sie ansonst wohl eher etwas verwirrenden bieten. Auf den Erzählstil eines "Arthouse"-Films müssten sie vorbereitet werden, da dieser wohl nicht ihrer meistens "Action"-verwöhnten Erwartungshaltung entspricht. Milchwald ist dennoch - oder gerade deswegen - durch die Kunst des Weglassens spannend. Angesprochen werden Themen wie Kommunikationsstörungen, Verwirrung, Gefühlskalte, Grenzen - in jeder Hinsicht - Liebe und Angst. 

Fazit & Filmkritik

"Milchwald", eine Übertragung des Märchens der Gebrüder Grimm in die Gegenwart, ist der Abschlussfilm von Hochhäusler an der Hochschule für Fernsehen und Film München und gleichzeitig sein Langfilmdebüt. Der Film lief in der Berlinale 2003 und war in der Reihe "Das kleine Fernsehspiel" im ZDF zu sehen. Besonders auch in Frankreich fand der Film viel Beachtung.

Hochhäuslers naturalistischer, kristallklarer Stil ohne jegliches Pathos erinnert an Christian Petzold (Die Innere Sicherheit) oder Tom Tykwer (Der Krieger und die Kaiserin). Er setzt dabei u.a. auf knappe Dialoge, eine ausgesprochene Bildsymbolik, lange Einstellungen und Großaufnahmen, die die Menschen als einsame Protagonisten in einer großen Welt zeigen. Besonders auch die Kinderdarsteller überzeugen während des ganzen Films.

didaktische Möglichkeiten

  • Ein wunderbarer Film für den Unterricht aufgrund seiner literarischen Qualität und seiner relativ einfachen äußeren Handlung. 

  • Die vielen unbeantworteten Fragen, Widersprüche und "Leerstellen" - Hochäusler verzichtet offensichtlich auf Erklärungsmodelle - sind hervorragend dazu geeignet, verschiedene Interpretationen hervorzurufen und zu diskutieren. 

  • Es würde sich auch lohnen, den Film auf einige filmtechnische Aspekte wie die Wirkung von Licht, Musik, Symbolik usw. zu analysieren. 

  • Natürlich eignet sich dieser Film besonders dazu sich parallel mit dem Märchen "Hänsel und Gretel" bzw. der Märchentheorie zu beschäftigen.

  • Interessant wäre es auch, wenn Schüler die Vorgeschichte der Hauptfiguren, oder ein anderes Ende beschreiben sollen.

  • Daher könnte ich mir vorstellen, den Film in Klasse 5-HAVO oder  5/6-VWO einzusetzen.

 

... weitere DVD-Rezensionen: 

   Besonders empfohlen für den Unterricht

Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)

   Mit Einschränkungen brauchbar

Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)

   Zu anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"

Kriterien:  Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde

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