Deutsche Filme im Unterricht

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  • Aktueller Stand (Mai 2007): 52 Rezensionen online
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  • Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen:  info AT duits.de









Titel und Erscheinungsjahr

Das Lächeln der Tiefseefische (2005) (88 Minuten)

Kurzinhalt

Der 17-jährige Malte lebt mit seinem alkoholkranken Vater auf der Insel Usedom. Die Mutter ist vor Jahren gestorben, die Schwester weggezogen und in der Haushaltskasse herrscht stete Ebbe. Malte hat einen Traum: den Führerschein machen und nichts wie weg! Doch plötzlich steht seine Schwester wieder vor der Tür - samt Sohn! Nun soll sich Malte auch noch um den kleinen Neffen kümmern, obwohl er lieber Zeit mit Annika verbringen möchte, die dort Urlaub macht. Viel passiert und nichts läuft nach Plan. Am Ende ist nichts mehr wie zuvor. Doch Malte weiß inzwischen, warum Tiefseefische lächeln...

Regisseur

  • Till Endemann

Hauptdarsteller

  • Jacob Matschenz
  • Alice Dwyer (Lichter)

Meine Bewertung

Webseite zum Film

- keine - Aber hier bei filmz.de hat man sehr viele Infos gleich zur Hand.

Inhalt

Ort der Geschichte ist das Seebad Ahlbeck. Im kleinen, für die Badegäste schick herausgeputzten Badeort, kurz vor der polnischen Grenze auf der Ostseeinsel Usedom, spielt sich die Geschichte ab. Doch für den 17-jährigen Malte, der demnächst 18 wird und seine Führerscheinprüfung machen will, ist Ahlbeck in diesem Sommer nicht viel mehr als der Ort, den er möglichst bald verlassen möchte.

Malte lebt schon seit einigen Jahren alleine mit seinem alkoholkranken Vater in einer abbruchreifen Villa. Die Gemeinde hat bereits geschrieben, dass die Villa abgerissen werden soll, doch Vater Dietmar glaubt nicht, dass es soweit kommen wird. Die Mutter ist vor Jahren gestorben, die Schwester in den Westen gezogen, und es wird bald klar, dass Malte und sein Vater sich finanziell nur das Wichtigste leisten können.


Malte und Annika

Malte hat die Schule geschmissen, ärgert sich immer wieder über den Alkoholismus seines Vaters, über die Verantwortung die er aufgrunddessen notgedrungen immer wieder übernehmen muss, und hat auch der Tod seiner Mutter lässt ihn nicht los. Seinen Frust wird er im nächtlichen Grafitti sprayen los. Er jobbt in einem Fischimbiss und hat noch einen Nebenverdienst: Er schmuggelt zusammen mit seinem polnischen Freund Pavel regelmäßig Zigaretten über die polnisch-deutsche Grenze. Über den immer fröhlichen und optimistischen Pavel - mit seinem Anbaggerspruch "Ich bin das unschlagbare polnische Sommerfeeling" sozusagen das Gegenstück zu Maltes grüblerischem Schweigen - lernt er am Strand auch Annika und Lisa kennen, die in Ahlbeck ihren Urlaub verbringen.

Doch kaum gelingt es Malte, - mit Hilfe von Pavel - den Kontakt zu Annika aufzubauen, so ändert sich sein Leben nochmal. Plötzlich steht das alte Auto, das Mutter noch gehört hatte, vor der Haustür. Maltes Schwester Hannah ist mitsamt ihrem fünfjährigen Sohn Lukas zurückgekehrt. Es hat nicht geklappt mit ihrer Beziehung, sie ist pleite und sucht einen Job. Dem Vater ist alles recht, doch Malte begegnet ihr zunächst fast feindselig. Jahrelang hat sie nichts von sich hören lassen, und jetzt zieht sie einfach wieder ein, als ob nichts gewesen wäre? Hannah lässt sich nicht beirren, sucht und findet schnell einen Job und bittet Malte, sich zeitweise um seinen kleinen Neffen zu kümmern. Zunächst widerwillig, stimmt Malte dann doch darin zu, es gibt ja wohl auch keine Alternative. Der kleine Lukas freut sich auf "Onkel Malte", fordert seine Aufmerksamkeit, obwohl der eigentlich arbeiten muss bzw. die Zeit mit Annika verbringen möchte und sich nebenbei noch das Geld für die Führerscheinprüfung irgendwie besorgen muss - also kurzgesagt: den lästigen Neffen schleunigst loswerden will. Doch der kleine Lukas lässt nicht locker, interessiert sich für Tiefseefische und sieht Ähnlichkeiten mit den düsteren Monstern mit gelben Augen, die Malte zu Hause in seinem immer an die Wand geprayed hat.


Malte, Jakob und Pavel

Als plötzlich Bauzäune um die alte Villa errichtet werden, weil man nicht auf die Briefe der Gemeinde reagiert hat und der Abbruch jetzt bevorsteht, spitzt sich die Lage zu. Malte hält es nicht mehr aus, packt kurzentschlossen seine Sachen und zieht zu Pavel. Der hat zwar auch keine Lösung und schon gar kein Geld, bereitet aber gerne eine tolle Geburtstagsparty für seinen Freund vor. Und dann nähert sich auch noch der Abschied, denn Annikas Urlaub ist bald vorbei...

Didaktische Bewertung 

Sprachliche Verständlichkeit

Wegen der Untertitel (wahlweise Deutsch oder Englisch) die auf der DVD drauf sind kein Problem.

Thematisch

Eine Geschichte von Liebe, vom Erwachsenwerden, vom kleinen Hoffnungsschimmer, das man sich im Leben - wie die Tiefseefische, die mit phosphoreszierenden Farben in der Dunkelheit der Tiefsee ihre Beute anziehen - immer selbst Licht machen kann.

Fazit & Filmkritik, didaktische Möglichkeiten 

Das Lächeln der Tiefseefische ist ein weiteres Beispiel dafür, dass man mit einer guten Idee und einem kleinen Budget - für diese Koproduktion von Ziegler Film, Arte, WDR, und der Filmförderong NRW waren gerademal 800.000 Euro verfügbar - dennoch einen recht sehenswerten Film drehen kann.  Es ist ein ruhig erzählter, teilweise melancholischer Film mit einigen wunderbaren, fast poetischen Szenen. Ein Film auch, der teilweise mit einem feinsinnigen Humor überrascht, dank der jugendlicher Darsteller wie ein Jugendfilm wirkt, aber viel mehr zu bieten hat.

Für manche(n) Schüler(in) ist das ruhige Erzähltempo wohl gewöhnungsbedürftig, dürfte aber kein Problem sein. Die Liebesgeschichte zwischen Malte und Annika, dazu der eher unkomplizierte Pavel mit seinem Machoverhalten - glaubhaft dargestellt von Adrian Topol - dürften auf das Interesse der Schüler stoßen. Nicht zuletzt gilt das auch für das Grundthema, dass man sich sein eigenes Glück teilweise selbst in die Hand nehmen kann.

Was mir gefallen hat, ist der Wechsel der Stimmungen im Film. Man weiß nie so recht, wie Malte auf die nächste Situation reagieren wird. Manchmal steht er unbeholfen da, dann wieder spürt man die aufgestaute Wut und Trauer über die verstorbene Mutter und den betrunkenen Vater, der mit dem Leben nicht mehr fertig wird. Interessant ist auch, dass der größtenteils wortkarge Malte nicht von Anfang an sympathisch wirkt. Erst nach und nach entwickelt man Verständnis für seine Art auf neue Umstände und Chancen zu reagieren. Auch die Figur Annika lässt Fragen aufkommen, denn auch Ihr Leben war und ist nicht nur von Glück und Erfolg geprägt. Die einzige Schwäche, sowohl im Drehbuch als in der Darstellujng im Film, fand ich die Figur Götz, den Sohn eines reichen Hotelbesitzers und der Gegenspieler von Malte. Malte hat ja meines Erachtens genug "Gegenspiel" vom Leben und von sich selbst, und die Figur Götz ist dermaßen plakativ und vorhersagbar, dass man ruhig auf sie hätte verzichten können.

Hauptdarsteller Jakob Matschenz erhielt beim 26. Filmfestival Max Ophüls Preis den Preis für den besten Nachwuchsdarsteller. Der Film selbst gewann den Publikumspreis des Filmkunstfestes Schwerin.

 

... weitere DVD-Rezensionen: 

   Besonders empfohlen für den Unterricht

Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)

   Mit Einschränkungen brauchbar

Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)

   Zu anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"

Kriterien:  Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde

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