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Titel und Erscheinungsjahr Knallhart - ein Großstadtfilm (2006)
Webseite zum Film Inhalt Bislang kannte der 15-jährige Michael Polischka hauptsächlich die Sonnen-seiten des Lebens. Seine Mutter Miriam ist mit dem gut situierten Arzt Dr. Peters liiert und gemeinsam genießen sie die Annehmlichkeiten seiner Villa. Doch für den arroganten Dr. Peters sind Blondinen mit „griffigen Kurven“ aus-tauschbar, sobald das gewisse Etwas fehlt. Ein Streit eskaliert, Dr. Peters erklärt die Beziehung für beendet, und Miriam muss mit Michael den noblen Berliner Bezirk Zehlendorf verlassen. Willkommen in der Wirklichkeit: Die neue Wohnung ist eine Bruchbude und liegt in dem Stadtbezirk Neukölln. Hier leben Menschen verschiedenster Nationalitäten und sozialer Klassen – Michaels neue Klassenkameraden/innen bilden davon einen Querschnitt. In der Schule hat die Gang des Türken Erol das Sagen, sie terrorisiert ihre Opfer und zwingt auch Michael zur Zahlung von Schutzgeld. Von ihren Schlägen und Demütigungen einge-schüchtert, versucht er zunächst, ihre Forderungen zu erfüllen. Mit seinen neuen Schulfreunden, den Brüdern Crille und Matze, bricht Michael in Dr. Peters Villa ein. Aus dem Erlös der Beute will er die Gang bezahlen, doch Erol stellt neue Forderungen.
Beschäftigt mit der Suche nach einer weiteren „guten Partie“, ahnt Miriam nichts von Michaels Problemen, selbst dann nicht, als der Polizist Gerber immer häufiger an ihrer Wohnungstür klingelt. Als Michael nach einer faden-scheinigen Ausrede für einige Tage zu Crille und Matze zieht, kommt ihr das gerade recht. So ist immerhin genug Platz in der Wohnung für ihre neuen Liebhaber. „Du musst den Anführer der Gang niederschlagen“, empfiehlt einer ihrer Bekannten, als Michael wieder nach Hause kommt. Er gibt ihm ein Stück Metallrohr, das die Schlagkraft seiner Faust verzehnfachen soll. Michael beginnt sich damit zu wehren. Vor den Augen der Gang schlägt er Erol bei der nächsten Begegnung nieder, liegt kurz darauf aber selbst übermannt am Boden. Erol hat bereits sein Messer gezückt, als Barut, die „rechte Hand“ des Drogenbosses Hamal, den Jungen rettet. Hamal braucht einen neuen Kurier, am besten einen wie Michael mit ehrlichem Gesicht. Michael hegt keine Bedenken, macht ihn sein neuer Job doch unantastbar für Erols Gang.
Zunächst transportiert er Haschisch, allerdings mit soviel Geschick, dass Hamal ihm bald einen Kokain-Kunden überlässt. So trägt Michael eines Nachmittags 80.000 Euro in seinem Rucksack bei sich, als er plötzlich Erol gegenüber steht. Schnell lodert ihre Fehde wieder auf, Erol greift nach Michaels Rucksack und wirft ihn auf eine davonfahrende S-Bahn. Für Hamal wird Michael damit zum Problem. Denn in dem Rucksack befand sich auch Michaels Geldbeutel mit seiner Adresse. Folglich verlangt Hamal einen Loyalitätsbeweis. In der nächsten Nacht lässt er Erol entführen und auf ein verlassenes Gelände brin-gen. Dann händigt er Michael einen Revolver aus und fordert ihn auf, ent-weder sich selbst oder Erol zu töten. Lange steht Michael vor dem auf dem Boden liegenden Erol und zögert. Dann fällt ein Schuss. [Quelle: Filmheft, Bundeszentrale für Politische Bildung] Didaktische Bewertung Sprachliche Verständlichkeit Ausgezeichnet, auch dank der deutschsprachigen Untertitel auf der DVD. Fazit & Filmkritik Als (Deutsch)lehrer hat man inzwischen die Qual der Wahl. In den letzten Jahren gab es ja bereits zwei exzellente Filme, die jugendliche Gewalt in Großtstädten darstellten. So thematisiert Ghettokids das Schicksal türkisch-griechischer Jugendlicher im Münchner Hasenbergl-Viertel. Esther von Gronenborns Alaska.de zeigt mit ästhetischer Strenge die Gefühlskälte in einer Berliner Plattenbausiedlung. Geht es in Ghettokids um den Versuch, diesem aussichtslosen Milieu zu entkommen, in Alaska.de geht es um eine Liebe zwischen Freundschaft und Gewalt inmitten kalter Architektur. In Knallhart - Sozialtragödie, Stadtporträt, und Gangsterfilm in einem - geht es um die Frage wie man zum Opfer wird, und wie man vom Opfer zum Täter werden kann. In allen drei Filmen spielt der Verlust der Unschuld eine große Rolle. Regisseur Detlev Buck, bislang vor allem bekannt durch seinen lakonischen Humor als Schauspieler (in Sonnenallee, Herr Lehmann, NVA) und als Regisseur (u.a. Wir können auch anders, Liebesluder), hat diesmal ein Drehbuch gebracht, das anlässlich des gleichnamigen Jugendbuches von Zoran Drvenkar und Grogor Tessnow geschrieben wurde. Knallhart machte an den Kinokassen keinen großen Eindruck. Buck erklärte dies damit, dass man Angst hatte vor dem Thema. Vielleicht auch Angst, dass das Thema einseitig behandelt werden könnte. Mancher Haus- oder Grundstückseigentümer Neuköllns verweigerte während der Dreharbeiten im Sommer 2005 die Genehmigung. Man wollte nicht als "Ghetto" abgestempelt werden. Erschwerend kam hinzu, dass ausgerechnet im März 2006 - neun Monate vor Kinostart - die Berlin-Neuköllner Rütli-Schule sich mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit wandte und um Auflösung der Schule in der bisherigen Zusammensetzung bat, weil sie der Gewalt durch Schüler nicht mehr standhalten konnten. Mitten in der Debatte um Schulsystem, Gewalt an Schulen und die Integration von Immigrantenkinderen kam Knallhart in die Kinos. Oberflächlich gesehen, kann man Knallhart als eine Art Gangsterfilm sehen, der Berlin-Neukölln tatsächlich von einer "knallharten" Seite zeigt. Doch es bedarf wenig Mühe, die vielen Facetten zu registrieren, die zeigen, dass Buck so manches Klischee umschifft hat. Neukölln wird nicht auf Gewalt und Bandenkriege reduziert, obwohl Michael natürlich spürt, dass hier teilweise ganz andere Gesetze herrschen. Ausgerechnet Bandenchef Erol ist zweimaliger Vater und wird von seiner Braut in aller Öffentlichkeit ausgeschimpft. Zu Hause ist er eben nur ein kleiner Mann.
Eine der schönsten Szenen im Film ist, wenn Michael einem jungen Vater hilft, den Kinderwagen die Treppe hochzutragen. Er erkennt in diesem Vater erst auf den zweiten Blick Erol, den Bandenchef, der ihn terrorisiert. Es ist die Begegnung in einem anderen Leben. Michael und Erol nicken sich wortlos zu, nur für einen winzigen Moment, in der die Zeit scheint still zu stehen scheint, tauschen sie einen fast versöhnenden Blick aus. Die Gewalt geht nachher umso heftiger weiter. Und so gibt es fast beiläufig immer wieder Facetten des vielfältigen Stadtlebens zu sehen, in der jeder sich sein sein eigenes Glück sucht. Es gibt Menschen, die Michael helfen wollen, es gibt Freundschaft. Um den Eindruck eines Dokumentarfilms zu vermeiden, wurden die Farben im Film reichlich entsättigt. Der Soundtrack ist so vielfältig wie der Kiez selbst. Handkamera, Schnitt und Musik werden präzise eingesetzt, ohne dass sie - wie bei Gronenborns alaska.de - als eigene Kunstform mit der Handlung in Konkurrenz treten. Die Wahrhaftigkeit und Eindringlichkeit von Knallhart wird auch durch die grandiose Schauspielarbeit aller Figuren erreicht. Hervorheben muss man David Kross, der den 15-Jährigen Michael spielt. Mit seinem "Milchgesicht" spielt er die richtig Mischung aus Unschuld, Coolness, Trotz und Frechheit. Ich halte Knallhart für einen besonders gelungenen Film, gerade auch weil er dazu einlädt - oder gar dazu zwingt - das Thema der Schuldfrage und der Problematik in Großstädten zu diskutieren. Gerade die Identifikation mit der Haupfigur Michael, der unauffällig und cool bleiben möchte doch nach 90 Minuten (dennoch) zum Mörder wird, rüttelt auf. Schüler die sich zunächst auf "Action" freuen, werden bedient, doch schon nach kurzer Zeit im Film weiß man, hier hört die Kindheit auf, hier hört der Spaß auf. Das hier ist Tragödie pur. Knallhart erhielt im Mai 2006 bei der Verleihung des deutschen Filmpreises die Silberne Lola für den "Besten Film" sowie die Auszeichnungen in Gold für den "Besten Schnitt" (Dirk Grau) und die "Beste Musik" (Bert Wrede). Downloads
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