Deutsche Filme im Unterricht

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Rezensionen zu aktuellen deutschen Filmen,  Informationen zum Gebrauch  von Filmen im Unterricht.
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  • Aktueller Stand (Mai 2007): 52 Rezensionen online
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  • Auch gibt es im vaklokaal im Duitsland-ABC ein SPEZIAL: De Duitse film toen en nu (Der deutsche Film - früher und jetzt)
  • Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen:  info AT duits.de









Titel und Erscheinungsjahr

Junimond (2002)

Kurzinhalt

Um über seine traumatischen Erlebnisse als Mitglied der internationalen Friedenstruppe im Kosovo hinwegzukommen, zieht Paul nach Paderborn, wo er niemanden kennt. In der Nachbarschaft des 30-Jährigen wohnt eine zwei Jahre jüngere Frau, Nele, die aufgrund des abschreckenden Beispiels ihrer Eltern nicht mehr an die Liebe glaubt. Die beiden einsamen Menschen werden aufeinander aufmerksam und entwickeln behutsam Vertrauen zueinander 

 

 

 

Regisseur

  • Hanno Hackfort

Hauptdarsteller

  • Laura Tonke (Baader)
  • Oliver Mommsen

Meine Bewertung

Inhalt

Während seiner Bundeswehrzeit war Paul (Oliver Mommsen) zusammen mit seinem langjährigen Freund Stefan (Stephan Kampwirth) 1999 als Mitglied der internationalen Friedenstruppe KFOR im Kosovo (Balkankriege). Nachdem vor ihren Augen ein Kind von einem Heckschützen erschossen worden war, erhängte Stefan sich aus Verzweiflung über die Unmenschlichkeit. Um die traumatischen Erinnerungen zu verdrängen, zieht Paul nach seiner Entlassung aus der Bundeswehr von seiner Heimatstadt Berlin nach Paderborn um, wo er niemanden kennt. Sein Geld verdient er, indem er Sicherheitslücken in elektronischen Systemen ausfindig macht und sich seine Hinweise von den betroffenen Unternehmen honorieren lässt.

Beim Blick aus dem Fenster wird der Dreißigjährige auf eine Frau aufmerksam, die offenbar allein in einer Wohnung schräg gegenüber wohnt. Nele (Laura Tonke) ist zwei Jahre jünger und arbeitet als Ergotherapeutin in einem Therapiezentrum für verhaltensauffällige Kinder. Als sie und ihr Bruder zu Hause auszogen, gaben sich ihre Eltern keine Mühe mehr, ein intaktes Eheleben vorzutäuschen. Während der Vater sich regelmäßig mit einer Geliebten trifft, trinkt die Mutter, bis sie aufgrund ihrer Alkoholabhängigkeit zusammenbricht und in ein Krankenhaus eingeliefert werden muss. Statt der Patientin beizustehen, macht ihr Mann sie bei seinen Kindern schlecht. Dieses abschreckende Beispiel lässt Nele befürchten, dass jede Beziehung irgendwann so endet – und sie scheut deshalb vor persönlichen Bindungen zurück.

Nach einer Weile bemerkt Nele den Nachbarn, der zu ihr herüberschaut. Zaghaft nehmen die beiden einsamen Menschen Kontakt miteinander auf, zuerst mit einzelnen Wörtern, die sie groß auf Papier schreiben und ins Fenster halten, dann übers Telefon, und schließlich folgt Nele einer Einladung, mit Paul selbst gekochte Cannelloni zu essen. Behutsam entwickelt sich Vertrauen zwischen ihnen, etwas wie Freundschaft, aber von einer Liebesbeziehung wollen sie nichts wissen – was Neles Kollegin Rita (Teresa Harder) überhaupt nicht verstehen kann.

Rita ist es auch, die Nele darauf aufmerksam macht, dass Wolfgang Thormann (Rainer Sellien) sich um sie bemüht. Thormann ist der allein erziehende Vater der kleinen Lara (Julia Kippes), die bei Nele Therapiestunden hat. Seine schüchterne Art rührt Nele zwar, aber sie achtet darauf, dass ihre Kommunikation den geschäftlichen Rahmen nicht überschreitet.

Unvermittelt wird Paul nach einem Arztbesuch damit konfrontiert, dass er unheilbar an Leukämie erkrankt ist und nicht mehr lang leben wird. Bevor er ins Krankenhaus geht, vertraut er sich Nele an und gesteht ihr seine Angst vor dem Tod. Nun erst öffnen sich die beiden für ihre Liebe. Dabei machen sie sich keine Illusionen über das bevorstehende Ende.

Nele besucht Paul regelmäßig im Krankenhaus. Sie bittet den Arzt um Erlaubnis, mit Paul im Freien spazieren zu gehen, aber er meint, der Patient sei dazu bereits viel zu schwach. Da überredet Nele den kleinen Nachbarjungen Hans (Daniel Schmidt), mit ihr ins Krankenhaus zu gehen und dort durch eine vorgetäuschte Ohnmacht das Personal abzulenken, damit sie Paul in das Auto bringen kann, das sie eigens gekauft hat, um mit ihm nach Südfrankreich zu fahren. Paul und Stefan hatten nämlich davon geträumt, nach dem Wehrdienst in einer französischen Limousine nach Frankreich zu fahren und den Sonnenaufgang in den Vogesen zu erleben. Nele fährt, bis Paul im Morgenfrauen für immer eingeschlafen ist. Nach seiner Beerdigung lässt Nele sich auf die Annäherungsversuche Wolfgang Thormanns ein: Die Liebe zu Paul hat ihr über ihr Trauma hinweggeholfen.

Quelle: http://www.dieterwunderlich.de/Hackfort_junimond.htm

Didaktische Bewertung 

sprachliche Verständlichkeit

Ausgezeichnet, zumal die DVD mit deutschen und englischen Untertiteln aufwartet.

Fazit & Filmkritik

Junimond ist nicht nur der Titels dieses Films, sondern auch der Songtitel des vielleicht größten Erfolges von Rio Reiser als Solokünstler. Die Textzeilen passen durchaus auch zum Film: "Die Welt schaut rauf, zu meinem Fenster. Mit müden Augen ganz staubig und scheu. Ich bin hier oben auf meiner Wolke. Ich seh Dich kommen aber Du gehst vorbei ..."

Junimond ist ein ruhig erzählter, leiser und unsentimentaler Film. Der Regisseur nimmt sich Zeit um Paul und Nele Interesse aneinander gewinnen zu lassen. Erst langsam bringt er die beiden zusammen. Besonders erfreulich sind die Szenen, wo Paul und Nele sich mit an ihren Fenstern hochgehaltenen Botschaften verständigen. Langsam entfalten sich dem Zuschauer dann die Hintergründe der Figuren. Obwohl die Handlung ein wenig zum Melodrama neigt, gelingt es Hackfort so manches Klischee zu umschiffen, zumal auch gelegentlich augenzwinkernd erzählt wird. Ein paar Mal verwendet Hackfort eine interessante Erzähltechnik: Das Geschehen scheint sich plötzlich wie im Flashback zu wiederholen, jedoch in einer leicht abgeänderten Variante. Diese Momente widerspiegeln die Wunschvorstellungen von Paul bzw. Nele.

Fazit: Ein interessantes, ruhig erzähltes Liebesdrama. Manchem Schüler / Mancher Schülerin dürfte er jedoch zu langweilig sein, weil von "Action" im Sinne flott geschnittener Szenenabfolgen natürlich keine Rede ist. Der Film erfordert kein spezifisches Vorwissen, daher ist er auch gut geeignet, wenn Schüler sich selbständig einen Film anschauen sollten.

 

... weitere DVD-Rezensionen: 

   Besonders empfohlen für den Unterricht

Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)

   Mit Einschränkungen brauchbar

Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)

   Zu anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"

Kriterien:  Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde

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