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Titel und Erscheinungsjahr Herr Wichmann von der CDU (2003) - Dokumentarfilm
Webseite zum Film Inhalt Sommer 2002, Bundestagswahlkampf in der Region Uckermark/Oberbarnim, ganz im Nordosten Brandenburgs. Ein Flächenwahlkreis mit geringer Bevölkerungsdichte, in den letzten Jahren haben viele, vor allem junge Menschen die Region verlassen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 25%, die Perspektiven sind düster.
Henryk Wichmann, 25, ist Direktkandidat der CDU. "Frischer Wind bringt Bewegung in die Politik", heißt sein Slogan, mit dem er in den schwierigen Kampf um die Mehrheit im Wahlkreis zieht. Die Region ist traditionell sozialdemokratisch, Wichmanns Kontrahent von der SPD heißt Markus Meckel und hat die letzten Wahlen mit 52% der Stimmen gewonnen. Für den Wahlkampf hat sich Wichmann, der Jura in Berlin studiert, ein Freisemester genommen.
Anders wäre es kaum möglich. Infostände, Diskussionsrunden, Anzeigen, Pressetermine, Plakate und Postkarten – fast alles organisieren und finanzieren die Kandidaten vor Ort selbständig. Rund 30.000 Euro muss Henryk Wichmann in seine Kampagne investieren, Spenden von CDU-Mitgliedern und Unterstützung aus der Familie helfen ihm dabei. Nun zieht Henryk Wichmann bei Wind und Wetter mit Werbeschirm und Infostand durch den Wahlkreis, macht sich bekannt, diskutiert, besucht Altenheime und mittelständische Betriebe, verteilt Broschüren, Kugelschreiber und Postkarten. An guten Tagen bringt man so 200 Basispakete in zwei Stunden ans Wahlvolk, insgesamt 5.000 will Henryk Wichmann im Wahlkampf persönlich überreichen. "30 plus x" will er am Ende schaffen, das könnte reichen. Angela Merkel und Jürgen Rüttgers kommen zur Unterstützung in den Wahlkreis, und für den Endspurt hat Herr Wichmann noch einiges im Köcher... Quelle: Webseite zum Film Didaktische Bewertung Sprachliche Verständlichkeit DVD mit englischen Untertiteln. Ansonsten sind viele Gespräche auf der Straße akustisch nicht leicht zu verstehen. Fazit & Filmkritik Oft sind die Filme interessant, die eben nicht für ein bestimmtes Martpotenzial gedreht wurden. Das gilt auch für die DVD von "Herr Wichmann von der CDU", einem Dokumentarfilm von Andreas Dresen. Mit diesem Film haben Sie ein gelungenes Porträt der deutschen Gesellschaft in Händen. Herr Wichmann von der CDU ist eine reale Person. Henryk Wichmann, 25 Jahre alt, war im Wahlkampf 2002 Bundestagskandidat für die CDU in der Uckermark, im Norden Brandenburgs. Nun war die Uckermark ausgerechnet auch der Wahlkreis des beliebten SPD-Urgesteins Markus Meckel und Wichmann somit von vornherein so gut wie chancenlos. Aber er lässt sich nicht beirren und legt sich ins Zeug. Wir verfolgen ihn während des letzten Monats des Wahlkampfes. In diesen Wahlen, Sie erinnern sich, ging es auch um die Frage, ob Stoiber und Merkel Schröder besiegen könnten. Wie wir jetzt wissen, gelang es Gerhard Schröder durch sein taktisches Anti-Bush-Irak Manöver, den Sieg knapp davonzutragen. Mit dem Slogan "Frischer Wind bringt Bewegung in die Politik" sehen wir, wie Wichmann voller Tatendrang mancherorts seinen rot-weißen Sonnenschirm und seinen Stehtisch aufbaut, Plakate aufhängt, Postkarten mit seinem Konterfei verteilt und immer wieder versucht, Passanten anzusprechen um wenigstens sein Faltblatt samt Kuli loszuwerden.
Das hört sich langweilig an? Stimmt. Doch wer genau hinschaut, entdeckt vieles. Denn es ist faszinierend, wie daraus ein detailliertes Porträt einer Menschensorte namens "Berufspolitiker" entsteht. Wichmann ist eben nur ein Beispiel von vielen, in der Art wie er routiniert mit Menschen spricht bzw. komplett an ihnen vorbeiredet. Wie er Fragen beantwortert, die keiner gestellt hat, wie er mit Parolen rumstreut die so gar nicht zu seinem Alter passen. Wie viele Wichmänner gibt es in der Gesellschaft? Und wie viele resignierte Menschen, fragt man sofort danach. Denn neben Wichmann, sind es die Menschen auf der Straße und in den traurigen Wahlkampfveranstaltungen, die den Gemütszustand Deutschlands anno 2002 abgeben. Für den Zuschauer gibt es dadurch reichlich traurige, manchmal auch komische Momente. In Erinnerung bleiben die Bilder, wie Wichmann sich zu Hause "Sabine Christiansen" anschaut, und seine Freundin dabei einschläft. Oder der Moment, wo er sich bei allen Anwesenden einer Wahlveranstaltung bedankt, und die Kamera durch auszoomen verrät, dass nur eine Handvoll Schaulustige gekommen sind. Oder wie Herr Wichmann sich verändert, wenn die professionelle Wahlkampftruppe Angela Merkels in der Provinz auftaucht um Wichmann Wahlkampfhilfe zu leisten. Ob und wie die Menschen auf einer Veranstaltung die Nationalhymne mitsingen. Ebenfalls unvergesslich ist der Moment wo eine alte Frau erzählt, dass Sie mit Ihrer Unterschrift das Haus als Pfand für das Ladengeschäft Ihres Sohnes bestimmt hat, und Angst vor der Zukunft hat. Es ist erschreckend zu sehen, wie viele Menschen sich von der Politik insgesamt abwenden. Es gibt reichleich Momente dieser Art, die nachdenklich machen. Zum Glück gibt es auch fröhliche Momente, die allerdings oft an Real-Satire erinnern. Und manchmal vergeht einem das Lachen, zum Beispiel wenn Wichmann rechtsradikalem Gedankengut so gut wie nichts entgegenzubringen hat. Andreas Dresen verzichtet auf Off-Kommentar und Musik. Und auch die Kamera bleibt in respektvoller 5-Meter Entfernung. Nie hat man den Eindruck, dass er den Menschen Wichmann der Lächerlichkeit preisgeben wollte. Dresen vertraut auf die Wirklichkeit und auf die Kraft der alltäglichen Realität. Dennoch fehlt Dresens Handelsmarke, die milde Ironie, nicht ganz. Gefragt und ungefragt nennt Wichmann das Beispiel der Grünen, die angeblich jedesmal irgendein Feuchtbiotop oder einen Frosch entdecken, sobald sich eine neue Firma im Osten ansiedeln möchte (Arbeitsplätze!) und mit dem Argument des Naturschutzes das Projekt scheitern lassen. Prompt kommt Regisseur und Kameramann ein Frosch entgegen, der folglich eine kurze Szene im Film bekommt. Am Ende des Wahlkampfes hat Wichmann immerhin zugelegt. Statt 20 haben 21 Prozent der Wähler CDU gewählt.... Ich würde den Film nicht in der Schule gebrauchen, doch das hat nichts mit der Qualität des Films zu tun. Die einzigen Gründe wären das spezifische Thema, die große Menge an erforderlichem Vorwissen und die fehlenden deutschsprachigen Untertitel (zum Glück gibt es sie, allerdings auf Englisch, immerhin...). Nein, "Herr Wichmann von der CDU", ist was mich betrifft ein hervorragender Fortbildungskurs. Ein Leckerbissen für Deutschlehrer. Thema: Landeskunde.
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