Rezensionen zu aktuellen deutschen Filmen, Informationen zum Gebrauch
von Filmen im Unterricht.
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Aktueller Stand (Mai 2007):52
Rezensionen online
Für Ihre Schüler (leider nur auf Niederländisch) gibt es im vaklokaal
Duits eine
Liste deutscher
Filme mit Kurzbeschreibungen.
Auch gibt es im vaklokaal im
Duitsland-ABC ein SPEZIAL:
De Duitse film toen en nu (Der
deutsche Film - früher und jetzt)
Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen: info AT
duits.de
Titel und Erscheinungsjahr
Halbe Treppe (2002)
Kurzinhalt
Mittdreißiger
Uwe verbringt mittlerweile mehr Zeit in seiner Imbissbude Halbe Treppe
als bei Frau und Kindern. Auch das befreundete Paar Chris und Katrin hat
sich im Bett nicht mehr viel zu sagen. Man amüsiert sich bei Dia-Abenden
und hat sich mehr oder weniger in der 'Hälfte des Lebens' auf halber
Treppe abgeschliffen. Als Chris mit Uwes Frau fremdgeht, hat dies
ungeahnte Folgen.
Die äußere Handlung in Halbe Treppe ist so unspektakulär, wie sie nah
am Leben ist. Zwei befreundetete Ehepaare in Frankfurt an der Oder. Uwe Kokowski
schuftet von morgens bis abends in seinem Imbiss "Halbe Treppe", Ehefrau Ellen
arbeitet in einer Parfümerie. Zusammen mit ihren beiden Kindern und
Wellensittich Hans-Peter leben sie in der Plattenbausiedlung. Das befreundete
Ehepaar Düring hat keine Kinder. Katrin arbeitet bei einer Speditionsfirma,
Chris ist Moderator bei einem privaten Radiosender. Jeden Morgen meldet er sich
mit der "Power Hour vom Power Tower" und spricht das tägliche Horoskop.
Ellen und Uwe Kokowski
Beiden Ehepaaren ist gemeinsam, dass ihnen im Alltag, mit all seinen Routinen
und Verpflichtungen, unbemerkt vieles abhanden gekommen ist. Träume,
Selbstverwirklichung und Liebe kommen zu kurz und haben Langeweile Platz gemacht
- man hat sich nicht viel mehr zu sagen, keiner ist glücklich. Uwe (Axel Prahl)
entgeht völlig, dass Ellen sich über seine Gefühllosigkeit und Mangel an
Zuwendung ärgert. Chris ist gelangweilt und spürt keine wirkliche Liebe mehr für
Katrin.
Wellensittich Hans-Peter ist weggeflogen...
Wir verfolgen als Zuschauer den Alltag und das Berufsleben der vier
Protagonisten. Wir ahnen: Es kommt wie es kommen muss. Chris beginnt eine
Affaire mit Ellen. Nach kurzer Zeit fliegt das Verhältnis auf. Uwe versteht die
Welt nicht mehr und glaubt, das Ganze als einmaligen Faux-Pas seines besten
Freundes beiseite schieben zu können. Katrin ist verzweifelt. Allmählich stellt
sich heraus, dass es auch zwischen Chris und Ellen nicht dauerhaft klappen wird.
Chris möchte zu Katrin zurückkehren. Ein Happy End ist dennoch nicht in Sicht.
Uwe möchte seine Ellen zurückgewinnen und fleht sie an, ihr zu sagen, was er
falsch macht. Als er endlich eine neue Küche hat einbauen lassen - ein
langgehegter Wunsch von Ellen -, sagt er ihr glücklich: "Neue Küche - neues
Glück". Ellen kann ihm nur sagen: "Du hast überhaupt nichts begriffen".
Didaktische Bewertung
sprachliche Verständlichkeit
Die DVD hat deutsche Untertitel und auch sonst wird klar gesprochen.
Fazit
Regisseur Andreas Dresen möchte laut eigener Aussage realistische Geschichten
erzählen, über wirkliche Menschen. In diesem Fall über Menschen, die "auf halber
Treppe ihres Lebens" angekommen sind. So entsteht ein realistischer, teilweise
dokumentarischer, bittersüßer Erzählstil, mit viel Gespür für das Gewöhnliche,
der ohne Effekte und Regisseurseitelkeiten auskommt. In den Worten von Dresen: "Mit
einer Riesencrew in eine Imbissbude einzufallen und in Cinemascope zu drehen -
da wäre das ganze Leben rausgeflogen." [interview Berliner Morgenpost,
02.10.2002].
Halbe Treppe wurde mit einem kleinen Team,
mit digitaler Kamera, mit einem winzigen Budget (600.000 Euro) und mit einem
weitgehend improvisierten Drehbuch gedreht. Die Autorenschaft lag daher eher bei
der Zusammenarbeit zwischen Regisseur, Kameramann und Schauspielern als beim
Drehbuch. Sämtliche Darsteller überzeugen in dieser Hinsicht und das Resultat
ist ein bittersüßer Film zwischen Drama und Komödie, mit dramatischen und
tragikomischen Höhepunkten und mancher unvergleichlichen Dialogzeile. Halbe
Treppe erhielt einen Silbernen Bär (Großer Preis der Jury) auf der
Berlinale 2002
Von der Form her sind nicht nur der extensive
Gebrauch der Handkamera zu nennen, sondern auch die kleinen Interviews mit den
Figuren, die die Handlung unterbrechen, den Film lebendiger machen und ihn
zugleich inhaltlich ergänzen. Die Musik spielt im Film eine ganz eigenständige,
wenn auch keinesfalls aufdringliche Rolle. Straßenmusiker sammeln sich auf der
Treppe vor dem Imbiss. Bei jeder neuen Szene dort sind es mehr geworden, bis die
"17 hippies" komplett sind.
didaktische Möglichkeiten
Die unspektaläre äußere Handlung, der Verzicht auf opulente Bilder, das manchmal
langsame Tempo des Films und die vielen kleinen, teilweise ironischen
Andeutungen, entsprechen wohl eher nicht der durchschnittlichen
Erwartungshaltung, die man bei Jugendlichen unterstellen darf, wenn sie an
interessante Filme denken. Und dazu thematisch: Mittdreißiger, irgendwo "auf
halber Treppe" in ihrem Leben? Ich habe einige Zweifel, ob das für Jugendliche
zwischen 12-18 ein besonders geeigneter Film ist. Das soll nicht heißen, dass
der Film gänzlich ungeeignet wäre, dazu sind die Qualitäten des Films
überzeugend genug. Es kommt jedoch sehr auf den unterrichtsspezifischen Kontext
und die jeweilige Schülergruppe an, ob ein derartiger Film für die Zielgruppe
interessant sein kann. Deshalb würde ich ihn nur für ältere Schüler (ca. 17-18)
empfehlen wollen.
Didaktisch würde ich dabei anknüpfen an Fragen
wie: Wo und wann bekommt und verliert man seine Träume? Was bleibt nach dem
Moment der Verliebtheit, wenn der Alltag einkehrt? Auch weil der Stil des Films
so abweicht vom Durchschnitt lohnt es sich, darauf zu achten: z.B. der Gebrauch
der Handkamera, die kleinen Interviews mit den Figuren, der Gebrauch der Musik,
das Erzählen ohne Dialog.
... weitere DVD-Rezensionen:
Besonders empfohlen für den Unterricht
Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)
Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch
anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)
Zu
anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"
Kriterien: Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde