Deutsche Filme im Unterricht

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Rezensionen zu aktuellen deutschen Filmen,  Informationen zum Gebrauch  von Filmen im Unterricht.
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  • Aktueller Stand (Mai 2007): 52 Rezensionen online
  • Für Ihre Schüler (leider nur auf Niederländisch) gibt es im vaklokaal Duits eine Liste deutscher Filme mit Kurzbeschreibungen.
  • Auch gibt es im vaklokaal im Duitsland-ABC ein SPEZIAL: De Duitse film toen en nu (Der deutsche Film - früher und jetzt)
  • Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen:  info AT duits.de









Titel und Erscheinungsjahr

Falscher Bekenner (2006)

Kurzinhalt

Armin hat gerade die Mittlere Reife hinter sich. Er steht einigermaßen ratlos an der Schwelle zum Erwachsenenleben, bedrängt vom mütterlichen Wohlwollen, den väterlichen Erwartungen, dem leuchtenden Vorbild der älteren Brüder, vergeblichen Bewerbungsgesprächen und der endlosen Langeweile des Vorstadtlebens. Er beginnt, wahllos anonyme Bekennerbriefe zu schreiben, zuerst zu einem Unfall, dessen Zeuge er war, dann zu Verbrechen, von denen er in der Zeitung liest. Ein Spiel, in dem sich die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit immer mehr verschieben. Bald reicht es Armin nicht mehr, nur so zu tun, als sei er schuld.

Regisseur

Hauptdarsteller

  • Constantin von Jascheroff
  • Manfred Zapatka
  • Victoria Trauttmansdorff
  • Nora von Waldstätten
  • Devid Striesow (Napola, Lichter)

Meine Bewertung

Webseite zum Film

http://www.falscher-bekenner.de

Inhalt

Es ist Nacht, die Autobahn leer. Armin ist allein unterwegs, zu Fuß, immer an der Leitplanke entlang. Ein Jaguar, zerschellt an einem Brückenpfeiler, das Gesicht des Fahrers leblos. Was Armin bewegt, eines der Trümmerteile an sich zu nehmen, weiß er nicht.


Im gemütlichen Beisammensein mit der ganzen Familie wirkt Armin deplaziert.

Jeden Tag eine Bewerbung, das haben seine Eltern mit ihm ausgemacht, seit er die Mittlere Reife in der Tasche hat. Armin weiß nicht recht, was er werden will. Das Jugendzimmer bei den Eltern, das familäre Wohlwollen, die Brüder, die ihren Weg längst gemacht haben – all das scheint Armin zu bedrängen und zu lähmen. Nun sitzt er an seinem Schreibtisch, die Spurstange, das Relikt der letzten Nacht, vor sich. Aus dem Bewerbungsschreiben wird ein Bekennerbrief: ‚Dieser Unfall war mein Werk...‘.


In der Autobahntoilette hinterlässt er Spuren.

Im Bus Katja, die hübsche, unerreichbare Nachbarstochter. Armin steigt aus. Die Presse berichtet über den Unfalltoten, einen Bankier. Der Brief des Bekenners wird  geprüft, man nimmt ihn ernst.


Katja weiß nicht so recht, was sie von Armin halten soll.

Wieder ist es dunkel, der Verkehr rauscht in der Ferne vorbei. Armin in einer Toilette an der Autobahn, sehnsüchtige, obszöne Sprüche auf abwaschbaren Fliesen, er in einer Gruppe von Männern auf schweren Maschinen, die wilde, nächtliche, berauschende Fahrt.

Armin absolviert seine Bewerbungsgespräche. Was ist Ihre Lieblingsfarbe? Sind Sie ein Teamplayer? Was interessiert Sie am Beruf des Reisekaufmanns? Es geht nicht recht voran. Den nächsten Bekennerbrief schreibt Armin nach einem Brand in der Innenstadt. Die Zeitungen berichten groß. Langsam wird deutlich, dass hier ein falscher Bekenner am Werk ist. Was er denn so mache, fragt Katja beim Pommes-Essen. Das willst du lieber nicht wissen, sagt Armin. Und lächelt.

Quelle: Webseite zum Film

Didaktische Bewertung 

Sprachliche Verständlichkeit

Im allgemeinen gut verständlich, doch für Schüler zu schwierig: es fehlen Untertitel.

Fazit & Filmkritik

Erst nach einiger Zeit erkennt man in der Dunkelheit die Silhouette eines jungen Mannes. Wie wir spÄter erfahren, handelt es sich um den jungen Armin, etwa 17 Jahre alt, soeben die mittlere Reife bestanden. Er läuft in einem Gebiet wo es Fußgänger gar nicht gibt, im Niemandsland direkt an der Autobahn. Wir verfolgen ihn, wie er scheinbar ziellos weiterläuft. Plötzlich sieht er im Dunkel ein Auto, verunglückt gegen einen Baum. Der Rauch steigt noch von unter der Motorhaube hervor, über dem Lenkrad gebeugt ein toter Mann. Armin schaut nur kurz hin, sein Interesse wird geweckt durch einen Gegenstand auf der Fahrbahn. Es ist ein mechanisches Teil aus dem verunglückten Auto. Er hebt es auf und nimmt es als Trophäe mit nach Hause.

Die Welt des Niemandslands an der Autobahn, so wird bald klar, bedeutet für Armin eine freie Zone, ohne die Regeln und Zwänge, die es in den anderen Welten gibt. Hier spielen sich auch seine sexuellen Fantasien ab, mit schwarzgekleideten Motorradfahrern, die nachts das Toilettenhaus an der Autobahn besuchen. Regisseur Hochhäusler lässt den Zuschauer bewusst im Ungewissen, ob es sich hier um Wirklichkeit oder Fantasie geht.

Armin lebt in noch zwei anderen Welten. Die Welt des Elternhauses ist für ihn gleichbedeutend mit Langeweile, sozialen Riten und Anpassung. In familiärer Gesellschaft ist er manchmal unangepasst, oft jedoch apathisch, zieht sich am liebsten zurück auf sein Teenagerzimmer, mit den Autopostern an den Wänden. Hier schreibt er auch lustlos die Bewerberschreiben, die seine freundliche und gleichzeitig ehrgeizige Eltern von ihm verlangen ("Ein Bewebungsschreiben pro Tag, das war die Abmachung"). Seine beiden älteren Brüder wohnen nicht mehr zu Hause, gelten jedoch den Eltern als Vorbild für Armin.

Und dann gibt es noch die Außenwelt. Die Welt in der man sich selbst im BewerbungsgesprÄch erfolgreich verkaufen soll. Die Welt, in der man sich auch gewissen Konventionen unterwerfen sollte, um die Liebe der hübschen Katja zu gewinnen. Wir verfolgen Armin während einer Reihe von chancenlosen Bewerbungsgesprächen und mindestens so chancenlosen Annähungersversuche mit Katja.

Irgendwo, verloren zwischen diesen Welt, irrt Armin herum. Als Zuschauer irren wir mit ihm herum. Wir sehen, wie ihm die Welt an der Autobahn befreit von allen Zwängen und zugleich Spannung bietet, wie die Welt des Elternhauses zur Anpassung zwingt, wie die Welt außerhalb für ihn unverständlich und unzugänglich bleibt. Nirgendwo ist für Armin, so wie er jetzt ist, ein Zuhause.

Doch beim lustlosen Verfassen eines Bewerbungsschreibens am PC, schreibt er plötzlich etwas ganz anderes auf. Er bekennt sich zum Unfall auf der Autobahn. Ein anonymes und falsches Bekennerschreiben. Im Lauf der Zeit folgen weitere Schreiben, zu Unfällen oder Bränden, über die er im Fernsehen oder in der Zeitung erfahren hat. Endlich passiert etwas in seinem Leben. Er findet Anerkennung, denn Zeitungen und Fernsehen berichten über die geheimnisvollen Bekennerbriefe. Endlich ist er wer, zumindest in der virtuellen Welt. Die Polizei ist alarmiert und ist ihm auf der Spur. Als er am Ende seines Spiels mit Wirklichkeit und Fantasie verhaftet wird, sieht man zum ersten Mal ein breites, glückliches Lachen auf seinem Gesicht.

Falscher Bekenner ist fazettenreicher Film, der weit über das Format eines "coming of age" Films hinausgeht. Auch ist es mehr als ein Porträt einer jungen Generation. Und nein, es geht auch nicht um die kritische Betrachtung der Moral des Anti-Helden Armin. Falscher Bekenner ist vielmehr eine präzise Beschreibung der Frage: Wie bleibt man und wie wird man sich selbst in einer Welt voller familiärer und gesellschaftlicher Zwänge und Konventionen? Hochhäusler zeigt dies im ratlosen und orientierungslosen Suchen des Armin, wie in der präzisen Schilderung des bürgerlichen Elternhausen und in den eisernen Gesetzen des "funktionieren-müssens" in der Marktwirtschaft.

Obwohl Falscher Bekenner - wie Hochhäuslers Milchwald - ein anspruchsvoller Film ist, so kann man sich als Zuschauer dennoch auf einige grandiose Beispiele von "Realsatire" freuen. Da wären zum Beispiel die Bewerbungsgespräche, die nebenbei ein wunderbares Spektrum der Abgründe aufzeigen, die es dort gibt. Oder die Rituale des gelangweilten Fernsehkonsums und sonntäglichen Mohnkuchenessens in der Vorstadtsiedlung.

Hauptdarsteller Constantin von Jascheroff gewann für seine hervorragende Leistung den Preis für den besten Hauptdarsteller auf dem Filmfest München. Französische Filmkritiker von "Cahiers du cinéma" sind begeisterte Fans der Filme von Christian Petzold (Wolfsburg, Die innere Sicherheit, Gespenster, Yella) en Hochhäusler (Milchwald), die sie unter dem Nenner "nouvelle vague allemande" sehen. Unabhängig davon, fand ich Falscher Bekenner eine der unbequemsten und eindringlichsten deutschen Filme, die ich je gesehen habe.

Obwohl die Thematik sicherlich für Schüler in den höheren Klassen (ab ca. 17 Jahre) geeignet ist, erfordert die Druchbrechung des klassisschen "Geschichte erzählens" die Fähigkeit, hinter den Bildern zu schauen. Auch die sexuell expliziten Szenen und die Tatsache, dass der Regisseur den Zuschauer darin bewusst im Ungewissen lässt, erfordern eine sorgfältige Begleitung beim Zuschauen. Auch weil Untertitel fehlen, würde ich den Film nicht im Unterricht gebrauchen. Vielleicht kämen allerdings die Bewerbungsgespräche in Betracht, denn diese sind auch ohne Kontextwissen verständlich und überzeugend.

 

 

... weitere DVD-Rezensionen: 

   Besonders empfohlen für den Unterricht

Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)

   Mit Einschränkungen brauchbar

Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)

   Zu anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"

Kriterien:  Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde

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