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Titel und Erscheinungsjahr Die fetten Jahre sind vorbei (2004)
Webseite zum Film Inhalt "Schau dir die Menschen an auf der Straße. Sind die etwa glücklich?" - Jan (Daniel Brühl) redet sich in fast Rage. Überzeugend und präzise zeigt er dem entführten Topmanager Hardenberg auf, wie die Gesellschaft zu einem System geworden ist, in dem die Armen unterdrückt, die Reichen immer reicher werden und Otto Normalverbraucher mit Fernsehen, Konsum und Psychopharmika betäubt wird. Es ist eine der Szenen aus "Die fetten Jahre sind vorbei", die in Erinnerung bleiben.
Die Entführung des Topmanagers war nicht geplant. Eine Flucht nach vorne, eine Notmaßnahme, um Zeit zu gewinnen. Sie widerspricht den Idealen der "Erziehungsberechtigten". Das ist der schwache Punkt - und sie wissen es. Nur, wann sprechen sie diese Erkenntnis offen aus? Dazu müssen die Ideale erst nochmal auf den Prüfstand.
Die Tragikomik der Entführung spitzt sich in den Szenen in der einsamen Berghütte zu. Die Rollen scheinen sogar plötzlich umgekehrt zu sein. Während Prinzipien und Freundschaft von Nele, Peter und Jan auf dem Spiel stehen, erscheint die Entführung für Hardenberg wie ein nicht unangenehmer Kurzurlaub zu sein, der ihn zudem an die alten Ideale erinnert. Die Ideale der Entführer werden erst recht auf die Probe gestellt, wenn sie die Biographie ihrer Opfers näher kennenlernen. Sie finden heraus, dass er Mitglied der 68-er Bewegung war, nachweisbar ein Freund Rudi Dutschkes sogar. "Ja, Geschichte haben wir gemacht" sagt Hardenberg fast melancholisch, und erklärt, wie er immer gedacht hatte, "mit dem Geld kommt das Glück" - und eines besseren belehrt wurde. Mindestens so überzeugend wie Jan, rekonstruiert Hardenberg, wie er allmählich in ein Leben gerutscht ist, in dem einem die jugendlichen Ideale nur noch als Erinnerung bleiben. "... und irgendwann ertappst du dich dabei, dass du in der Wahlkabine stehst und dein Kreuzchen für die CDU machst." Die Konfrontation mit diesem Zukunftsbild bringt die Entführer zur Verzweiflung.
Es geht dabei um mehr als die Konfrontation zwischen Generationen und ihren Idealen. Die Dreiecksgeschichte zwischen Nele, Peter und Jan soll auch noch geklärt werden. Von freier Liebe weiß der Alt-68-er, der lange in einer WG wohnte, ja auch Bescheid, "... doch wem sage ich das?", fügt er salopp hinzu. Peter schaut ihn entgeistert an und ahnt jetzt erst, dass da zwischen Jan und Nele etwas läuft, seitdem er vorhin ein paar Tage in Barcelona war. Es kommt zum Eklat. Didaktische Bewertung Sprachliche Verständlichkeit Ausgezeichnet, dank deutscher Untertitel auf der DVD Fazit & FilmkritikLeider geht dem 126-minütigen Film ein wenig die Puste aus, besonders in den Szenen auf dem Berg. Hier hätte man dem Regisseur und Drehbuchautor Mut zur Kürzung gewünscht. Doch man kann dem Film zugute halten, dass hier ein recht gelungener und über weite Strecken spannender Rückgriff auf die jüngste deutsche Geschichte stattfindet, die jede Menge Stoff zur Diskussion bietet. Diese Diskussion kommt umso leichter zustande, als das Thema nicht als bleischwer-moralisches Urteil der 68-er Bewegung präsentiert wird, sondern als aktuelle Frage nach dem Standpunkt des Zuschauers in der heutigen Gesellschaft. Erfrischend auch: die überzeugende Leistung der Darsteller, deren gut ausgearbeitete Charaktere, der insgesamt flotte Stil und die Musik und das mehrdeutige Ende. Für den Gebrauch in der Schule halte ich diesen Film für einen Glücksfall, wenn da nicht die Überlänge wäre. Es lohnt sich in diesem Fall eventuell den Schülern nur die Eingangssequenz zu zeigen (die Familie, die in ihr Haus kommt, und sieht, was die "Erziehungsberechtigten" angerichtet haben), die darauffolgende Geschichte zusammenzufassen und zum Beispiel erst wieder einzusteigen in dem Moment, wo Jan und Jule zur Villa Hardenbergs zurückkehren müssen, um das Handy zu finden.
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