Deutsche Filme im Unterricht

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  • Aktueller Stand (Mai 2007): 52 Rezensionen online
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  • Auch gibt es im vaklokaal im Duitsland-ABC ein SPEZIAL: De Duitse film toen en nu (Der deutsche Film - früher und jetzt)
  • Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen:  info AT duits.de









Titel und Erscheinungsjahr

Das fliegende Klassenzimmer (2002)

Kurzinhalt

Bevor er das Internat des berühmten Thomanerchors in Leipzig betritt, ist Jonathan bereits von acht Internaten geflogen. Doch hier gelingt es: Jonathan macht schnell Freunde und kämpft mit ihnen gegen die "Externen", mit denen die Internatsschüler einen Kleinkrieg führen. Außerdem lernen sie den "Nichtraucher" kennen, einen seltsamen Mann, der sich ebenfalls in ihrem Geheimtreff aufhält. Als die Freunde dort ein Theaterstück namens "Das fliegende Klassenzimmer" finden und für die anstehende Weihnachtsaufführung proben wollen, lösen sie damit eine Reihe von Ereignissen aus, die zunächst Verwirrung und schließlich aber eine umfassende Versöhnung stiften.

Regisseur

  • Tomy Wigand

Hauptdarsteller

  • Ulrich Noethen (Comedian Harmonists)
  • Sebastian Koch (Der Tunnel, Zwei Tage Hoffnung, Speer und er, Stauffenberg, Das Leben der Anderen)
  • Piet Klocke

Meine Bewertung

Webseite zum Film

- existiert leider nicht mehr -

Inhalt

Wir befinden uns in Leipzig, einige Jahre nach dem Fall der Mauer. Jonathan ist ein neuer Schüler an der Thomasschule, ja genau, der Schule, wo die berühmten Mitglieder des Thomanerchores ausgebildet werden. Doch Jonathan hasst Internate, da er bereits viele Male wegens seines Verhaltens das Internat wechseln musste. Sein Adoptivvater ist Kapitän und hat kaum Zeit für ihn. Das Internet steht unter der Leitung des Lehrers und Thomaskantors Dr. Bökh (Ulrich Noethen) und des skurrilen Rektors Kreuzkamp (Piet Klocke).

Jonathan findet schnell neue Freunde: Martin, der Vernünftige und der Anführer der Clique, den etwas begriffsstutzigen Matz, der nur futtern möchte und eine Boxerkarriere anstrebt, den Sohn des Rektors, der gerne wissenschaftliche  Experimente macht - und, man ahnt es schon: eine Brille trägt... . Und nicht zuletzt lernt Jonathan den kleinen Uli kennen, der als Feigling gilt und diesen Ruf nur zu gern los werden möchte. Nur wie? Ihr Stubenältester im Internat ist Theo, etwas devot und überheblich, er meint es aber nicht böse.


Ulrich Noethen als Dr. Julius Böck

Bökh genießt großes Ansehen bei seinen Thomanern; denn er hat nicht vergessen, was es heißt, ein junger Bursche zu sein.

Es ist Weihnachten. Der Thomanerchor bereitet eine Fernsehaufzeichnung der Weihnachtspassion von Bach vor, in der Leipziger Thomaskirche vor. Die Thomaner haben jedoch - wie so oft - Streit mit den "Externen", d.h. mit den Schülern die zwar in die Thomasschule gehen, dafür aber nicht im Internat des Chores sind. Zu ihnen gehört auch Mona, die zu Hause mit vier Geschwistern und einer Mutter im Dauerstress lebt. Doch der Fernsehauftritt ist nicht die einzige Herausforderung: die Clique soll, so will es die Tradition, zu Weihnachten ein Theaterstück aufführen. Doch haben sie sich immer noch nicht entscheiden können, was da gespielt werden soll.  Doch zunächst muss eine Schlacht mit den Externen ausgetragen werden. Die haben nämlich Kreuzkamm junior entführt und die Noten für die Bach-Aufführung verbrannt.


Die Thomaner kämpfen gegen die Externen

Jonathan hatte klammheimlich einen Hund mitgebracht, als er einzog. Haustiere darf man aber im Internat nicht haben, also muss sich die Clique eine Lösung einfallen lassen. Zum Glück haben sie einen geheimen Versteck: ein alter  Eisenbahnwaggon. Dort trifft - nach langer Abwesenheit - ein rätselhafter Mann ein, der sich "Der Nichtraucher" oder auch Bob nennt. Ihm gehört zwar der Waggon, doch die Jungs sind nach wie vor willkommen. Bob wundert sich nicht schlecht, als er erfährt, dass sie Thomaner sind. Es scheint sogar, als kenne er Bökh. War er früher etwa selbst Thomaner? Ansonsten wissen sie über ihn nichts, außer dass er viel in der Welt herumgekommen ist. Im Waggon finden sie auch per Zufall den Text eines passenden Theaterstücks „Das fliegende Klassenzimmer“. "Das rappt!" stellen sie bald begeistert fest und freuen sich, dass sie ein gutes Theaterstück haben, das sie leicht in eine Rapversion umsetzen können.

Bob und Justus, so erfahren die Schüler bald, waren früher einmal eng befreundet. Als Bökh ihrer Probe zu dem Theaterstück beiwohnt, verbietet er plötzlich und resolut die Aufführung. Die Jungen sind entsetzt, zumal sie so viel Zeit und Energie investiert haben und die Zeit nicht reicht für ein neues Theaterstück. Es kommt zum Eklat, der Theaterraum gerät dabei in Brand und Jonathan, der aus Wut das Dekor umgestürzt hatte und dadurch das Feuer  verursachte, ist verzweifelt. Doch seine Freunde stehen zu ihm. Es kommt zur Versöhnung, als Bökh erzählt, warum er sich gegen diese Stück gewehrt hatte. Es erinnert ihn an seinen alten Freund Robert, der ihm in schweren Zeiten zur Seite stand und Opfer von Bökhs Republikflucht zu DDR-Zeiten wurde. Die Jungen bringen die beiden wieder miteinander in Kontakt - es kommt zur Versöhnung. Das gilt auch für Jonathan und Mona, sowie für Uli, der "loser" und die anderen Schüler. Uli wollte ja endlich seinen Status als Feigling los werden und überlebt zum Glück eine gefährliche Mutprobe mit zwei Ballons... 


Uli bei seiner Mutprobe

Didaktische Bewertung 

sprachliche Verständlichkeit

Leider bietet die DVD keine Untertitel. Und - wie bei vielen Kinderfilmen - wird auch hier schnell, aufgeregt und oft durcheinander gesprochen... Daher wird man den Film des öfteren anhalten müssen. Es lohnt sich, den Film vorzuentlasten, bzw. teile der Handlung vorher oder zwischendurch zu "verraten".

thematisch

„Wie kann ein erwachsener Mensch seine Jugend so vollkommen vergessen, dass er eines Tages überhaupt nicht mehr weiß, wie traurig und unglücklich Kinder zuweilen sein können?“ - Mit diesem Statement fängt der Film an. Und widerlegt ihn. Denn auch hier geht es - wie so oft bei Kästner - um Zusammenhalt und Freundschaft, um Hoffnungen, Träume und Ängste von Kindern in einer Welt von Erwachsenen.

Fazit & Filmkritik

Nach Charlie & Louise - Das doppelte Lottchen (1994),  Pünktchen und Anton (1999) und Emil und die Detektive (2001) ist Das Fliegende Klassenzimmer, das vierte Werk von Erich Kästner, das in letzter Zeit neu verfilmt wurde. Das Fliegende Klassenzimmer, nach dem gleichnamigen Buch (1933) von Erich Kästner wurde bereits zwei Mal, 1954 und 1974, verfilmt.

Es ist schön zu sehen, dass die Kinderbücher Kästners nach wie vor nichts an Aussagekraft verloren haben, obwohl der Schreibstil Kinder der heutigen Generation nach etwa 70 Jahren nicht mehr unbedingt überzeugen wird. Umso wichtiger ist es, bei der Verfilming die Buchvorlage nicht als Korsett zu verstehen, und das ist auch beim Fliegenden Klassenzimmer zum Glück nicht passiert.  Von allen genannten Filmen, gefallen mir dennoch Pünktchen und Anton und Emil und die Detektive am meisten. Franziska Buch (Emil und die Detektive) und Caroline Link (Pünktchen und Anton) haben meines Erachtens - jeweils als Drehbuchautor und Regisseur - bessere Arbeit geleistet als Tommy Wiegand und seine Drehbuchautorinnen Henriette Piper und Hermine Kunka.

Das Fliegende Klassenzimmer hat mir gefallen wegen des Mutes zur modernen Adaption, wegen des flotten Tempos, das keine Langeweile aufkommt lässt, wegen der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Ulrich Noethen, der als Chor Kantor der Leipziger Thomaner in wunderbarer Weise den Erwachsenen verköpert , der eben nicht vergessen hat, wie es war, Kind zu sein. Auch unter den jugendlichen Darstellern gibt  es absolute Talente, wenn einigen von ihnen auch eine gewisse Natürlichkeit fehlt. Das ist wohl kein Zufall. Es hat mit Talent, Erfahrung und mit Schauspielerführung zu tun, doch das sind nicht die einzigen Ursachen. Die gelegentlich hölzernen, teilweise altklugen Sätze, mit denen sich die Kinder abqüalen müssen, lassen vergessen, dass man den Kästnerschen Moralton auch zeitgemäßer und nicht weniger klar ausdrücken kann. Da fällt es - noch mal abgesehen vom vorhandenen Talent - sehr schwer, einen natürlichen Eindruck zu hinterlassen. Es nimmt dem Film an vielen Stellen die gewisse märchenhafte Leichtigkeit, die er verdient hätte, und die so gut mit Kästners sozialen Realismus harmoniert. Niki Reisers Filmmusik ist da nur ein kleiner Trost. Und auch das flotte Tempo und die hervorragende Kameraarbeit von Peter von Haller (Anatomie) können das nicht ausgleichen.

Was mich auch ein wenig gestört hat ist die obligatorische Rapeinlage im Film. Fast möchte man meinen, den Regisseuren von Kinderfilmen fällt wohl nichts Originelles mehr ein, wenn sie einen "coolen" Film für Kinder drehen. Auch in Emil und die Detektive war bereits Rap zu hören und zu sehen. Bitte verstehen Sie mich richtig. Nichts gegen Rap, und wenn es den Kindern gefällt, na bitte! Aber mit solchen Rapszenen droht die Gefahr, dass ein Film unnötig schnell altmodisch wirkt. Jugendmoden wechseln sich immer rasanter ab und Jugendliche sind oft unnachgiebig, wenn ihnen 'Sachen von Gestern' als "cool" an den Mann gebracht werden. Doch Bescheidenheit ist hier angebracht: Was letztendlich als cool oder lustig gilt, entscheidet letztendlich die Zielgruppe selbst, und nicht Ihr Rezensent!

 

... weitere DVD-Rezensionen: 

   Besonders empfohlen für den Unterricht

Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)

   Mit Einschränkungen brauchbar

Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)

   Zu anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"

Kriterien:  Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde

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