Rezensionen zu aktuellen deutschen Filmen, Informationen zum Gebrauch
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Aktueller Stand (Mai 2007):52
Rezensionen online
Für Ihre Schüler (leider nur auf Niederländisch) gibt es im vaklokaal
Duits eine
Liste deutscher
Filme mit Kurzbeschreibungen.
Auch gibt es im vaklokaal im
Duitsland-ABC ein SPEZIAL:
De Duitse film toen en nu (Der
deutsche Film - früher und jetzt)
Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen: info AT
duits.de
Titel und Erscheinungsjahr
Das fliegende Klassenzimmer (2002)
Kurzinhalt
Bevor
er das Internat des berühmten Thomanerchors in Leipzig betritt, ist
Jonathan bereits von acht Internaten geflogen. Doch hier gelingt es:
Jonathan macht schnell Freunde und kämpft mit ihnen gegen die "Externen",
mit denen die Internatsschüler einen Kleinkrieg führen. Außerdem lernen
sie den "Nichtraucher" kennen, einen seltsamen Mann, der sich ebenfalls in
ihrem Geheimtreff aufhält. Als die Freunde dort ein Theaterstück namens
"Das fliegende Klassenzimmer" finden und für die anstehende
Weihnachtsaufführung proben wollen, lösen sie damit eine Reihe von
Ereignissen aus, die zunächst Verwirrung und schließlich aber eine
umfassende Versöhnung stiften.
Wir befinden uns in Leipzig, einige Jahre nach dem Fall der Mauer. Jonathan
ist ein neuer Schüler an der Thomasschule, ja genau, der Schule, wo die
berühmten Mitglieder des Thomanerchores ausgebildet werden. Doch Jonathan hasst
Internate, da er bereits viele Male wegens seines Verhaltens das Internat
wechseln musste. Sein Adoptivvater ist Kapitän und hat kaum Zeit für ihn. Das
Internet steht unter der Leitung des Lehrers und Thomaskantors Dr. Bökh (Ulrich
Noethen) und des skurrilen Rektors Kreuzkamp (Piet Klocke).
Jonathan findet schnell neue Freunde: Martin, der Vernünftige und der
Anführer der Clique, den etwas begriffsstutzigen Matz, der nur futtern möchte
und eine Boxerkarriere anstrebt, den Sohn des Rektors, der gerne
wissenschaftliche Experimente macht - und, man ahnt es schon: eine Brille
trägt... . Und nicht zuletzt lernt Jonathan den kleinen Uli kennen, der als
Feigling gilt und diesen Ruf nur zu gern los werden möchte. Nur wie? Ihr
Stubenältester im Internat ist Theo, etwas devot und überheblich, er meint es
aber nicht böse.
Ulrich Noethen als Dr. Julius Böck
Bökh genießt großes Ansehen bei seinen Thomanern; denn er hat nicht vergessen,
was es heißt, ein junger Bursche zu sein.
Es ist Weihnachten. Der Thomanerchor bereitet eine Fernsehaufzeichnung der
Weihnachtspassion von Bach vor, in der Leipziger Thomaskirche vor. Die Thomaner
haben jedoch - wie so oft - Streit mit den "Externen", d.h. mit den Schülern die
zwar in die Thomasschule gehen, dafür aber nicht im Internat des Chores sind. Zu
ihnen gehört auch Mona, die zu Hause mit vier Geschwistern und einer Mutter im
Dauerstress lebt. Doch der Fernsehauftritt ist nicht die einzige Herausforderung:
die Clique soll, so will es die Tradition, zu Weihnachten ein Theaterstück
aufführen. Doch haben sie sich immer noch nicht entscheiden können, was da
gespielt werden soll. Doch zunächst muss eine Schlacht mit den Externen
ausgetragen werden. Die haben nämlich Kreuzkamm junior entführt und die Noten
für die Bach-Aufführung verbrannt.
Die Thomaner kämpfen gegen die Externen
Jonathan hatte klammheimlich einen Hund mitgebracht, als er einzog. Haustiere
darf man aber im Internat nicht haben, also muss sich die Clique eine Lösung
einfallen lassen. Zum Glück haben sie einen geheimen Versteck: ein alter
Eisenbahnwaggon. Dort trifft - nach langer Abwesenheit - ein rätselhafter Mann
ein, der sich "Der Nichtraucher" oder auch Bob nennt. Ihm gehört zwar der Waggon,
doch die Jungs sind nach wie vor willkommen. Bob wundert sich nicht schlecht,
als er erfährt, dass sie Thomaner sind. Es scheint sogar, als kenne er Bökh. War
er früher etwa selbst Thomaner? Ansonsten wissen sie über ihn nichts, außer dass
er viel in der Welt herumgekommen ist. Im Waggon finden sie auch per Zufall den
Text eines passenden Theaterstücks „Das fliegende Klassenzimmer“. "Das rappt!"
stellen sie bald begeistert fest und freuen sich, dass sie ein gutes
Theaterstück haben, das sie leicht in eine Rapversion umsetzen können.
Bob und Justus, so erfahren die Schüler bald, waren früher einmal eng
befreundet. Als Bökh ihrer Probe zu dem Theaterstück beiwohnt, verbietet er
plötzlich und resolut die Aufführung. Die Jungen sind entsetzt, zumal sie so
viel Zeit und Energie investiert haben und die Zeit nicht reicht für ein neues
Theaterstück. Es kommt zum Eklat, der Theaterraum gerät dabei in Brand und
Jonathan, der aus Wut das Dekor umgestürzt hatte und dadurch das Feuer
verursachte, ist verzweifelt. Doch seine Freunde stehen zu ihm. Es kommt zur
Versöhnung, als Bökh erzählt, warum er sich gegen diese Stück gewehrt hatte. Es
erinnert ihn an seinen alten Freund Robert, der ihm in schweren Zeiten zur Seite
stand und Opfer von Bökhs Republikflucht zu DDR-Zeiten wurde. Die Jungen bringen
die beiden wieder miteinander in Kontakt - es kommt zur Versöhnung. Das gilt
auch für Jonathan und Mona, sowie für Uli, der "loser" und die anderen Schüler.
Uli wollte ja endlich seinen Status als Feigling los werden und überlebt zum
Glück eine gefährliche Mutprobe mit zwei Ballons...
Uli bei seiner Mutprobe
Didaktische Bewertung
sprachliche Verständlichkeit
Leider bietet die DVD keine Untertitel. Und - wie bei vielen Kinderfilmen - wird
auch hier schnell, aufgeregt und oft durcheinander gesprochen... Daher wird man
den Film des öfteren anhalten müssen. Es lohnt sich, den Film vorzuentlasten,
bzw. teile der Handlung vorher oder zwischendurch zu "verraten".
thematisch
„Wie kann ein erwachsener Mensch seine Jugend so vollkommen vergessen, dass er
eines Tages überhaupt nicht mehr weiß, wie traurig und unglücklich Kinder
zuweilen sein können?“ - Mit diesem Statement fängt der Film an. Und widerlegt
ihn. Denn auch hier geht es - wie so oft bei Kästner - um Zusammenhalt und
Freundschaft, um Hoffnungen, Träume und Ängste von Kindern in einer Welt von
Erwachsenen.
Fazit
& Filmkritik
Nach Charlie & Louise - Das doppelte Lottchen (1994),
Pünktchen und Anton (1999) und Emil und die
Detektive (2001) ist Das Fliegende Klassenzimmer, das vierte Werk von
Erich Kästner, das in letzter Zeit neu verfilmt wurde. Das Fliegende
Klassenzimmer, nach dem gleichnamigen Buch (1933) von Erich Kästner wurde
bereits zwei Mal, 1954 und 1974, verfilmt.
Es ist schön zu sehen,
dass die Kinderbücher Kästners nach wie vor nichts an Aussagekraft verloren
haben, obwohl der Schreibstil Kinder der heutigen Generation nach etwa 70 Jahren
nicht mehr unbedingt überzeugen wird. Umso wichtiger ist es, bei der Verfilming
die Buchvorlage nicht als Korsett zu verstehen, und das ist auch beim
Fliegenden Klassenzimmer zum Glück nicht passiert. Von allen genannten
Filmen, gefallen mir dennoch Pünktchen und Anton und Emil und die
Detektive am meisten. Franziska Buch (Emil und die Detektive) und Caroline
Link (Pünktchen und Anton) haben meines Erachtens - jeweils als Drehbuchautor
und Regisseur - bessere Arbeit geleistet als Tommy Wiegand und seine
Drehbuchautorinnen Henriette Piper und Hermine Kunka.
Das Fliegende Klassenzimmer hat mir gefallen wegen des
Mutes zur modernen Adaption, wegen des flotten Tempos, das keine Langeweile
aufkommt lässt, wegen der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Ulrich
Noethen, der als Chor Kantor der Leipziger Thomaner in wunderbarer Weise den
Erwachsenen verköpert , der eben nicht vergessen hat, wie es war, Kind zu sein.
Auch unter den jugendlichen Darstellern gibt es absolute Talente, wenn
einigen von ihnen auch eine gewisse Natürlichkeit fehlt. Das ist wohl kein
Zufall. Es hat mit Talent, Erfahrung und mit Schauspielerführung zu tun, doch
das sind nicht die einzigen Ursachen. Die gelegentlich hölzernen, teilweise
altklugen Sätze, mit denen sich die Kinder abqüalen müssen, lassen vergessen,
dass man den Kästnerschen Moralton auch zeitgemäßer und nicht weniger klar
ausdrücken kann. Da fällt es - noch mal abgesehen vom vorhandenen Talent - sehr
schwer, einen natürlichen Eindruck zu hinterlassen. Es nimmt dem Film an vielen
Stellen die gewisse märchenhafte Leichtigkeit, die er verdient hätte, und die so
gut mit Kästners sozialen Realismus harmoniert. Niki Reisers Filmmusik ist da
nur ein kleiner Trost. Und auch das flotte Tempo und die hervorragende
Kameraarbeit von Peter von Haller (Anatomie) können
das nicht ausgleichen.
Was mich auch ein wenig gestört hat ist die obligatorische
Rapeinlage im Film. Fast möchte man meinen, den Regisseuren von Kinderfilmen
fällt wohl nichts Originelles mehr ein, wenn sie einen "coolen" Film für Kinder
drehen. Auch in Emil und die Detektive war bereits Rap zu hören und zu
sehen. Bitte verstehen Sie mich richtig. Nichts gegen Rap, und wenn es den
Kindern gefällt, na bitte! Aber mit solchen Rapszenen droht die Gefahr, dass ein
Film unnötig schnell altmodisch wirkt. Jugendmoden wechseln sich immer rasanter
ab und Jugendliche sind oft unnachgiebig, wenn ihnen 'Sachen von Gestern' als "cool"
an den Mann gebracht werden. Doch Bescheidenheit ist hier angebracht: Was
letztendlich als cool oder lustig gilt, entscheidet letztendlich die Zielgruppe
selbst, und nicht Ihr Rezensent!
... weitere DVD-Rezensionen:
Besonders empfohlen für den Unterricht
Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)
Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch
anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)
Zu
anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"
Kriterien: Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde