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Titel und Erscheinungsjahr Die Mauer - Berlin '61 (2006)
Webseite zum Film http://www.wdr.de/tv/berlin61/index.phtml Mit Produktionsinformationen, historische Hintergründe, einem Mauerplan Inhalt Das Ostberliner Ehepaar Kuhlke (Heino Ferch, Inka Friedrich) ist zu Besuch bei Freunden im Westen. Als die DDR über Nacht die Grenze abriegelt, können die beiden nicht mehr zurück: Kuhlke hat regelmäßig Kupfer geschmuggelt. Bei einer Kontrolle im Zug konnte er zwar gerade noch abhauen, ließ aber ein Hemd mit seinem Namen zurück. Für das Ostberliner Regime ist die Republikflucht ein gefundenes Fressen: Weil sie ihren 14-jährigen Sohn Paule (Frederick Lau) zurückgelassen haben, werden die Kuhlkes nun als Rabeneltern gebrandmarkt. Die Kuhlkes sind ratlos und wenden sich erstmal ihren Bekannten in west-Berlin, den Sawatzkis zu. Doch sie bieten nur halbherzige Unterstützung. Hinzu kommt, dass die Kuhlkes mittellos sind. Hans Kuhlke muss jobben, um Geld zu verdienen. Als Schuldeneintreiber für seinen Freund Erwin (Axel Prahl) macht er eine jämmerliche Figur. Letzendlich müssen sie sich im Flüchtlingslager melden und dort abwarten.
Inzwischen kommt Paul Kuhlke ins Visier von den Parteigenossen. Er soll auf einer Parteiveranstaltung seine Linientreue als Pionier Eindrucksvoll und Beweis stellen und wird entsprechend "bearbeitet" und drangsaliert. Während der Veranstaltung, der Paul vor Nerven und innerer Zerrissenheit entfleht, werden seine Eltern als Rabeneltern, die ihre Kinder bei der "Republikflucht" im Stich gelassen hätten, verunglimpft.
Während Hans Kuhlke im Flüchtlingslager völlig resigniert, nimmt Gattin Katharina das Heft in die Hand und besucht Tag für Tag jenen Grenzübergang, den die Familie regelmäßig benutzt hat. Als Paule sie dort tatsächlich erspäht, will er unbedingt fliehen. Mit Hilfe seiner Klavierlehrerin (Iris Berben) versteckt er sich in einem Haus, das direkt an der Grenze liegt. Es beginnt ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, denn die Soldaten sind ihnen bereits auf der Spur. Paule nimmt in Schoens Geschichte fast so viel Raum ein wie Hans, denn das Regime will den vermeintlich linientreuen Sohn gegen die Eltern, diese "verirrten, unfertigen Persönlichkeiten", ausspielen. Didaktische Bewertung Sprachliche Verständlichkeit Die DVD kommt mit deutschen Untertiteln. Fazit & Filmkritik Der Fernsehfilm "Die Mauer - Berlin '61" ist eine Koproduktion von WDR, RBB, Arte und TeamWorX und wurde im Oktober 2006 ausgestrahlt im Ersten. Er erfreute sich ca. 6 Millionen Zuschauer. Anschließend wurde eine Dokumentation gesendet, die das Thema "Rabeneltern" noch mal aus einer anderen Perspektive aufgriff. Obwohl man so seine Vorbehalte haben könnte (Stichwörter: Geschichts-Event-Fernsehen, Beteiligung von TeamWorX, Heino Ferch in der Hauptrolle) muss man feststellen, dass Autor und Regisseur Hartmut Schoen sich um Nuancen bemüht hat. Zunächst einmal wurde auf das Format "Liebesgeschichte mit Held vor historischem Hintergrund mit viel Effekthascherei" verzichtet. Im Gegenteil: Heino Ferch spielt kein Held, sondern ein Arbeiter, der geradezu resigniert. Und das Ende ist kein Happy End, denn die Flucht misslingt. Gezeigt wird auch, dass die Flüchtlinge aus dem Osten im Westen nicht immer mit offenen Armen empfangen wurden. Interessant ist auch, dass der Film die Folgen der deutschen Teilung für eine bestimmte, sei es fiktive, Familie zeigt. Die Stärke des Films ist ihre Nähe an den Menschen. Die Erzählperspektive konzentriert sich auf das "private" Schicksal der Kuhlkes. Man guckt also von innen nach außen, von den Menschen auf die Geschichte, und nicht umgekehrt. Die Hauptrollen sind mit Heino Ferch, Axel Prahl, Inka Friedrich und Frederick Lau gut besetzt. Hilfreich dabei ist, dass ihre Figuren auch am besten herausgearbeitet worden sind. Heino Ferch, ansonsten oft auf Heldenrollen reduziert, gibt hier die Figur des zunächst widerstrebenden und dann resignierten Vaters Hans recht glaubwürdig. Hervorzuheben ist auch die Leistung von Axel Prahl, der die Figur des westlichen Senkrechtstarters spielt, der nebenbei auf eine kleine "Gegenleistung" von Hans' Frau Katharina (Inka Friedrich) nicht verzichten möchte. Seine Hilfeleistung muss in seinen Augen ja auch irgendwie "bezahlt" werden. Interessant ist auch, wie seine Frau Renate (Johanna Gastdorf), die Arroganz des Westens verkörpert. Obwohl selbst erst vor kurzem geflohen, hat sie, zum Entsetzen Katharinas, für die Leute "drüben" nur verächtliche Worte übrig. Die Schwäche des Films steckt in den anderen Figuren: Das hohe Tier der Partei, der den Paul gerne für propagandistische Zwecke einsetzen möchte, ist ein (beabsichtigtes?) Honecker-Double, die strenge Parteigenossin, die den jungen Paul drangsalieren soll, ist ebenfalls eine Karikatur. Das Gleiche gilt für die betrunkene Klavierlehrerin (Iris Berben), die wohl auch vom Regime angefeindet wurde. Es sind diese eindimensionalen Figuren, die den Fernsehfilm leider doch wieder so plakativ machen, dass man die durchaus vorhandenen Nuancen leicht vergisst. Nach dem misslungenen Fluchtversuch erzählt eine Kommentarstimme aus dem Off, begeleitet von düsterer Musik: "Die Kuhlkes warteten. Wie viele. Sie warteten 28 Jahre, 2 Monate und 28 Tage. Dann fiel die Mauer. Und als sie sich wieder trafen, waren sie sich fremd." Didaktische Möglichkeiten Das Thema des Films, der Verlust von Heimat und der Verlust von Familie, dürfte durchaus ansprechen. "Die Mauer - Berlin '61" zeigt, was bei der Teilung Deutschlands geschah durch die genaue Beschreibung einer Familie, die durch den Mauerbau getrennt wird, und deren Mitgliedern es nicht mehr gelingen kann, zu finden, was beide Staaten und beide Gesellschaften versprachen und nicht geben konnten: Heimat. Im Unterricht ist der Film durchaus zu gebrauchen, zeigt sie doch gerade eindringlich, wie Repression in der DDR nicht vor Jugendlichen Halt machte und wie sie dann im Alltag aussah. Der Film erfordert schon ein wenig Vorwissen in dieser Hinsicht. Für Schüler ist interessant, dass es sich hier um das Schicksal eines Jugendlichen und seiner Familie handelt. Dies dürfte die Identifikation erleichtern. Nicht zuletzt ist der Film, sicherlich am Ende, recht spannend. Ich würde den Film jedoch nicht unbedingt einsetzen im Unterricht, da es einfach bessere Alternativen gibt ("Der Tunnel", obwohl langatmig) oder etwa "Good Bye Lenin", die auch geeignet sind, Aspekte aus dieser Zeit zu thematisieren. Dennoch ist der Film brauchbar: Schüler ab ca. 16 Jahren mit etwas Vorwissen können sich ihn auch selbständig anschauen. Deshalb kommt er in meiner Schule zur Ausleihe in die Bibliothek.
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