Deutsche Filme im Unterricht

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Rezensionen zu aktuellen deutschen Filmen,  Informationen zum Gebrauch  von Filmen im Unterricht.
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  • Aktueller Stand (Mai 2007): 52 Rezensionen online
  • Für Ihre Schüler (leider nur auf Niederländisch) gibt es im vaklokaal Duits eine Liste deutscher Filme mit Kurzbeschreibungen.
  • Auch gibt es im vaklokaal im Duitsland-ABC ein SPEZIAL: De Duitse film toen en nu (Der deutsche Film - früher und jetzt)
  • Anmerkungen, Hinweise, Lob und Kritik: Paul Goossen:  info AT duits.de









Titel und Erscheinungsjahr

Babij Jar (2003)

Kurzinhalt:

September 1941. Die jüdische Familie Lerner und die ukrainische Familie Onufrienko sind seit 20 Jahren eng befreundet und wohnen zusammen in einem Zwei-Familien-Haus am Rand Kiews. Während das deutsche Militär unter Führung von Oberst Blobel (Axel Milberg) die Deportation und Ermordung aller Juden von Kiew vorbereitet, versuchen die Lerners mit der Hilfe des Nachbarjungen Stepan gemeinsam gen Osten zu flüchten. Lena Onufrienko (Katrin Saß) wittert ihre Chance. Um der Tochter, die kurz vor der Hochzeit steht, ein Heim zu schaffen, denunziert sie die Nachbarn um das Familienoberhaupt Genadij (Michael Degen) ohne zu wissen, dass ihr Sohn die Lerners begleitet.

Regisseur

  • Jeff Kanew

Hauptdarsteller

  • Michael Degen
  • Katrin Saß (Good Bye Lenin!)
  • Barbara de Rossi
  • Axel Milberg

Meine Bewertung

Inhalt

Die deutsch-weißrussische Produktion "Babij Jar" geht auf eines der fürchterlichsten Massaker des Zweiten Weltkrieges zurück. 

Am 29 September 1941 und am folgenden Tag wurden - Monate vor der berüchtigten Wannseekonferenz -  33.771 Juden erschossen. Die Juden wurden dazu in Lastwagen zu der Schlucht "Babij Jar" (auf Deutsch ‘Großmütterchenschlucht’) gefahren. Dort mussten sie in kleineren Gruppen in die Schlucht gehen und sich in Reihen aufstellen. Sie wurden sofort erschossen.

Einige wenige Opfer konnten noch auf dem Transport entkommen, anderen gelang schwerverletzt die Flucht. Sie konnten später davon berichten. Bis zur Befreiung Kiews am 5. November 1943 durch die sowjetische Armee wurden in der Schlucht Babij Jar mehr als 200.000 Menschen ermordet: Russen, Ukrainer, Weißrussen, weitere Juden.

Wenige der Täter – wie der bereits erwähnte Standartenführer Paul Blobel, im bürgerlichen Beruf Architekt – wurden später vor dem Nürnberger Kriegsgericht angeklagt und verurteilt.

Zum Film

Obwohl die Geschichte der Lerners und Onufrienkos auf realen Biographien basiert und obwohl mit Katrin Saß, Michael Degen, Barbara de Rossi und Axel Milberg hervorragende Schauspieler gewonnen werden konnten, ist der in schwarzweiß gedrehte Film nicht besonders gut gelungen. Es scheint, als könnten Regisseur und Produzent sich nicht zwischen Dokumentarfilm und Drama entscheiden. Das führt zu oft zu hölzernen Dialogen, die die Figuren ihrer Natürlichkeit berauben. Nicht gut nachvollziehbar ist auch der plötzlich aufkeimende und fanatische Hass der Figur Lena, der letztlich zur Denunzierung ihrer Nachbarn führt. Die Fronten zwischen Gut und Böse sind auf einmal glasklar. Sie werden symbolisch treffend - doch leider klischeehaft, weil immer wiederkehrend - illustriert durch schwarze Krähe, dunkle Gewitterwolken und bedrohlich klingende Musik. In diesen Momenten erinnert der Film an die Zeit der 50er Jahre, wo auf eine Differenzierung verzichtet wurde und einfache Muster ausreichten, um die Zuschauer zu einer eindeutigen Meinung zu bewegen.

Dem Produzenten, dem Berliner Film-Ikone und einem der letzten Holocaust-Zeugen Artur Brauner, der selbst Verwandte in Babij Jar verlor, gebührt dennoch viel Lob, dass er das Projekt trotz großer Schwierigkeiten durchgesetzt hat. Dass er auf "Das vergessene Verbrechen" (Untertitel des Films) für die kommenden Generationen aufmerksam gemacht hat, ist sein Verdienst. Die Rechte hat Brauner - für eine weltweite Verbreitung - kostenlos dem Goethe-Institut übertragen. Den Film selbst widmet er seinen ermordeten Angehörigen. Babij Jar - Ein Film gegen das Vergessen.

 

Didaktische Bewertung und Empfehlungen

sprachlich

Zum Glück gibt es auf der DVD Untertitel auf Deutsch, Englisch und sogar auf Niederländisch. Ansonsten ist der Sprachgebrauch selbst kein Problem. Es ist jedoch wirklich schade - bei dieser internationalen Besetzung allerdings wohl unvermeidlich - dass alle Stimmen synchronisiert sind. Leider wurde das nicht besonders gut gemacht: Die Stimmen klingen alle wie aus dem Hörspielstudio, eben aufgesetzt also und dadurch auch irgendwie distanziert. Ein kleiner Vorteil ist, dass man sie deutlicher als sonst versteht.  

thematisch

Der Film ist - trotz der inhaltlichen und technischen Mängel - als "Film gegen das Vergessen" durchaus geeignet für den Gebrauch in der Schule. Nach dem deutschen Jugendschutzgesetz wurde er freigegeben ab 16 Jahren. Durch das Schicksal der Familie Lerner wird das Verbrechen des Nazi-Terrors eindrucksvoll sichtbar. Ein weiterer Schwerpunkt in der Besprechung könnte das Verhalten der Figur Lena sein: Was bringt Menschen dazu, Freunde zu verraten? Oder umgekehrt: Menschen zu helfen und dabei das eigene Leben aufs Spiel zu setzen?

Fazit

Babij Jar ist selbstverständlich kein Film "für zwischendurch". Ich könnte mir vorstellen, den Film im Rahmen eines Projekts einzusetzen. Z.B. Als Vorbereitung auf das Thema Vergangenheitsbewältigung, oder als Vorbereitung auf den Besuch eines Konzentrationslagers. Der Film wäre auch geeignet im fächerübergreifenden Unterricht beim Fach Geschichte.

 

... weitere DVD-Rezensionen: 

   Besonders empfohlen für den Unterricht

Kriterien: Wenig Vorwissen erforderlich, deutsche Untertitel bzw. akustisch gut verständlich, jugendgerechte Themen, normale Länge (ca. 90 Minuten)

   Mit Einschränkungen brauchbar

Kriterien: Keine Untertitel bzw. sprachlich schwieriger verständlich, spezifischere Themen, inhaltlich bzw. künstlerisch anspruchsvoller (oder gerade: anspruchslos!), mehr Vorwissen erforderlich, auch längere Filme (> 100 Min.)

   Zu anspruchsvoll oder - für die Schule - "durchgefallen"

Kriterien:  Themen eher für Erwachsene, viel Vorwissen erforderlich, längere Filme, keine Untertitel bzw. sprachlich anspruchsvoll, Filme, die ich aus anderen gründen nicht im Unterricht einsetzen würde

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